Bodenaufbau im Altbau: Unebenheiten ausgleichen und dämmen - Praxisguide für alte Häuser
Feb, 17 2026
Ein altes Haus hat Charakter - aber nicht immer einen ebenen Boden. In vielen Altbauten in Deutschland liegt der Boden seit Jahrzehnten uneben, kalt und feucht. Die Dielenbretter wölben sich, die Fußböden knarzen, und im Winter spürt man, wie die Kälte von unten hochkriecht. Das ist kein normaler Verschleiß - das ist ein baulicher Defekt, der sich mit der Zeit verschlimmert. Doch statt den Boden einfach neu zu legen, muss man ihn richtig sanieren: Unebenheiten ausgleichen und gleichzeitig dämmen, ohne das Haus zu verändern oder zu beschädigen.
Warum ist der Bodenaufbau im Altbau so schwierig?
In Häusern, die vor 1950 gebaut wurden, gab es oft keine Betonplatte, keine Dämmschicht, keine Feuchtigkeitssperre. Der Boden bestand einfach aus Holzbrettern, die direkt auf Sand oder Erde lagen. Keine Isolierung. Kein Schutz. Nur Luft. Das klappte damals - weil die Gebäude luftig waren und die Menschen weniger Heizenergie verbrauchten. Heute ist das ein Problem: Die Wärme entweicht nach unten, die Feuchtigkeit steigt hoch, und die Holzbalken fangen an zu faulen.
Die meisten Altbauten in Hildesheim, Göttingen oder Hannover haben genau diese Konstruktion. Wenn du den Boden erneuern willst, kannst du nicht einfach neue Dielen verlegen. Du musst erst den alten Aufbau komplett entfernen - und dann einen neuen, modernen Aufbau bauen, der warm, trocken und eben ist.
Schritt 1: Alten Boden entfernen und Untergrund vorbereiten
Bevor du dämmst, musst du den alten Boden loswerden. Das bedeutet: Holzbretter raus, Balken freilegen, Sand und Erde ausheben. In der Regel musst du mindestens 20 Zentimeter tief graben. Warum? Weil du darunter eine stabile Trägerlage brauchst.
Du hast zwei Optionen für diese Basis:
- Betonplatte (4-6 cm): Klassisch, stabil, aber schwer und teuer. Beton hat eine schlechte Dämmung - ein 20 cm starker Betonboden hat einen U-Wert von 3,43 W/m²K. Das ist mehr als doppelt so schlecht wie moderne Dämmstoffe.
- Glasschaumschotter (Foam Glass Gravel): Leicht, gut dämmend, wasserabweisend. Dieses Material wird mit einem Vibrationsgerät verdichtet und bildet eine stabile, gleichmäßige Unterlage. Es ist die beste Alternative zu Beton, besonders in Altbauten mit geringer Raumhöhe.
Nachdem du die Basis hergestellt hast, kommt die wichtigste Schicht: die Feuchtigkeitssperre. Ohne diese wird Feuchtigkeit aus dem Erdreich hochsteigen und deine neue Dämmung ruinieren. Du brauchst eine spezielle Folie - mindestens 0,2 mm dick - und sie muss an den Wänden mindestens 10 cm hochgezogen werden. Sonst fließt die Feuchtigkeit einfach an den Wänden hoch und hinterlässt Schimmel. Die Folie wird mit Kleber an den Wänden befestigt. Kein Klebeband. Kein Tacker. Nur Kleber.
Schritt 2: Holzunterkonstruktion als tragendes Gerüst
Nichts ist so gut wie eine Holzunterkonstruktion im Altbau. Sie ist leicht, flexibel und lässt sich genau auf die Unebenheiten des Bodens abstimmen. Die Konstruktion besteht aus zwei Teilen:
- Kreuzlattung: Holzlatten in zwei Richtungen (Längs und Quer) verlegt, wie ein Gitter. Die Abstände zwischen den Latten betragen 40-60 cm, je nach Last.
- Ausgleichshölzer: Dünnere Holzbretter, die zwischen den Latten eingebaut werden, um die Ebene zu justieren. Sie gleichen Höhenunterschiede von bis zu 3 cm aus - ohne Beton oder Estrich.
Diese Konstruktion braucht mindestens 12 cm Höhe. Warum? Weil du darin Dämmmaterial einbringen musst. Wenn du weniger Platz hast, kannst du nicht richtig dämmen. Und wenn du nicht richtig dämmst, bleibt der Boden kalt - und du hast deine Arbeit umsonst gemacht.
Schritt 3: Dämmstoffe - Was funktioniert wirklich?
Nicht jeder Dämmstoff ist für Altbauten geeignet. Du brauchst etwas, das:
- gut dämmt (niedriger Wärmeleitwert)
- atmungsaktiv ist (keine Feuchtigkeitsfalle)
- leicht zu verarbeiten ist
- keine Schadstoffe freisetzt
Hier die besten Optionen für Altbauten:
| Dämmstoff | Wärmeleitwert (W/mK) | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Zellulose-Flocken | 0,04-0,05 | Perfekt für Hohlräume, schallgedämmt, aus Altpapier, ungiftig | Muss mit Maschine eingeblasen werden |
| Holzfaserplatten | 0,04-0,09 | Trägt Last, lässt sich bohren, gut für Fußbodenheizung | Teurer als Zellulose |
| Kork | 0,045-0,05 | Natürlich, weich unter den Füßen, guter Trittschallschutz | Teuer, nicht für hohe Lasten geeignet |
| Steinwolle | 0,03-0,05 | Gute Dämmung, feuerbeständig | Kann Hautreizungen verursachen, nicht atmungsaktiv |
| XPS (Styropor) | 0,03-0,04 | Sehr gut dämmend, wasserfest | Nicht atmungsaktiv, Umweltbelastung durch Herstellung |
Die meisten Profis in Hildesheim und Umgebung setzen auf Zellulose-Flocken. Sie werden mit einer speziellen Maschine in die Holzunterkonstruktion eingeblasen. Sie füllen jede Ritze, setzen sich nicht ab, und sorgen für einen konstanten Dämmeffekt. Außerdem dämpfen sie Trittschall - das ist besonders in Mehrfamilienhäusern wichtig.
Schritt 4: Die Oberfläche - Dielen, Kork oder Fliesen?
Nach der Dämmung kommt der Bodenbelag. Du hast mehrere Möglichkeiten:
- Massivholzdielen: Klassisch, langlebig, kann mehrfach abgeschliffen werden. Die Bretter werden mit Schrauben an die Holzunterkonstruktion befestigt - nicht geklebt. So kann sich der Boden bei Feuchtigkeitsschwankungen bewegen.
- Korkplatten: Weich, warm, guter Schallschutz. Ideal für Schlafzimmer oder Wohnzimmer. Muss mit speziellem Kleber verlegt werden.
- Linoleum oder Korkvinyl: Für Badezimmer oder Flure. Muss auf einer stabilen Unterlage verlegt werden - ideal auf Holzfaserplatten mit Trockenestrich.
- Fliesen: Nur mit einer speziellen Dämmschicht unter der Fliese möglich. In Altbauten selten sinnvoll - zu schwer, zu steif, zu teuer.
Wichtig: Wenn du Holzdielen verwendest, wähle Holz mit einer Feuchtigkeit von 8-12 %. Zu trockenes Holz reißt, zu feuchtes Holz quillt. Lass das Holz mindestens 48 Stunden im Raum akklimatisieren, bevor du es verlegst.
Was passiert, wenn du es falsch machst?
Ein falscher Bodenaufbau führt nicht nur zu kalten Füßen - er kann das ganze Haus beschädigen.
- Keine Feuchtigkeitssperre? Feuchtigkeit steigt hoch, Holzbalken faulen, Schimmel wächst an den Wänden - oft unsichtbar, bis es zu spät ist.
- Zu dünne Unterkonstruktion? Du kannst nicht genug Dämmung einbringen. Der Boden bleibt kalt. Die Heizkosten steigen.
- Styropor als Dämmung? Es sperrt die Feuchtigkeit ein. Die Holzbalken atmen nicht mehr. Sie faulen von innen.
- Kein Ausgleich der Unebenheiten? Die Dielen knarzen, wölben sich, oder du bekommst Risse in den Fugen.
Die meisten Fehler passieren, weil Leute versuchen, die alte Konstruktion zu retten - statt sie richtig zu ersetzen. Ein Altbau braucht keine Reparatur. Er braucht eine Sanierung.
Alternativ: Kellerdeckendämmung - wenn du den Boden nicht anfassen willst
Wenn du keinen Bodenaufbau machen willst - weil du die alten Dielen behalten willst, oder weil die Deckenhöhe zu gering ist - gibt es eine Alternative: Kellerdeckendämmung.
Wenn du einen Keller hast, kannst du die Dämmung von unten anbringen: Dämmplatten an der Kellerdecke anbringen, mit Kleber und Dübeln. So wird die Wärme von unten gehalten, ohne den Boden oben zu verändern. Das ist besonders sinnvoll, wenn du in einem Haus lebst, wo der Boden aus historischen Gründen erhalten bleiben muss - oder wenn du keine Baugenehmigung für Bodenarbeiten hast.
Doch: Ohne Keller geht das nicht. Und es ist weniger effektiv als eine vollständige Bodensanierung. Die Wärmeverluste werden reduziert, aber nicht eliminiert.
Wie lange dauert das?
Ein typischer Bodenaufbau in einem 40 m² großen Raum dauert:
- 2-3 Tage: Abbruch, Ausheben, Grundlage herstellen
- 1 Tag: Feuchtigkeitssperre verlegen
- 2-3 Tage: Holzunterkonstruktion einbauen
- 1 Tag: Dämmung einblasen
- 1-2 Tage: Bodenbelag verlegen
Insgesamt: 7-10 Arbeitstage. Bei einer kompletten Sanierung mit Kellernutzung und Heizungsanpassung kann es bis zu drei Wochen dauern. Aber danach hast du einen Boden, der warm, trocken und leise ist - und der noch 50 Jahre hält.
Was kostet das?
Die Kosten variieren je nach Größe, Material und Aufwand. Für 40 m²:
- Basiskonstruktion mit Zellulose: 60-80 €/m²
- Massivholzdielen (Eiche, Buche): 30-50 €/m²
- Korkbelag: 40-70 €/m²
- Gesamtkosten (ohne Heizung): 4.000-6.000 €
Das ist mehr als ein neuer Teppich. Aber es ist eine Investition in Komfort, Gesundheit und Energieeinsparung. In einem Altbau mit schlechter Dämmung spart du bis zu 30 % Heizkosten pro Jahr - das rechnet sich in 5-7 Jahren.
Was du nicht vergessen darfst
- Feuchtigkeitssperre muss an den Wänden 10 cm hochgezogen werden - sonst wird es feucht.
- Keine Dämmung ohne Luftzirkulation - Holzbalken müssen atmen können.
- Kein Styropor direkt auf Erde - er sperrt die Feuchtigkeit ein.
- Die Holzunterkonstruktion muss stabil sein - sonst wölbt sich der Boden.
- Die Dämmung muss vollständig ausgefüllt sein - keine Lücken, keine Luftblasen.
Ein guter Bodenaufbau im Altbau ist kein Luxus. Es ist eine Notwendigkeit. Wenn du ihn richtig machst, bekommst du nicht nur einen warmen Boden - du bekommst ein gesundes Zuhause.
Kann ich den alten Boden wieder verwenden, nachdem ich ihn entfernt habe?
Ja, aber nur, wenn die Dielenbretter in gutem Zustand sind - keine Risse, keine Pilzbefall, keine Feuchtigkeitsspuren. Du kannst sie nach der Sanierung wieder verlegen, aber sie müssen auf der neuen Holzunterkonstruktion mit Schrauben befestigt werden. Klemmen oder Kleben funktioniert nicht - das Holz muss sich bewegen können.
Wie viel mehr Höhe bekomme ich durch den neuen Bodenaufbau?
Mit einer typischen Holzunterkonstruktion und Zellulose-Dämmung erhöhst du den Boden um 15-20 cm. Mit dickerer Dämmung oder Beton kann es bis zu 30 cm sein. Das beeinflusst Türschwellen, Treppenstufen und Bodenleisten. Du musst die Türen anpassen lassen - das ist oft der aufwendigste Teil der Arbeit.
Ist eine Fußbodenheizung möglich?
Ja, aber nur mit Holzfaserplatten als Unterlage. Zellulose oder Kork sind zu isolierend - die Wärme kommt nicht nach oben. Holzfaserplatten leiten die Wärme gut, sind tragfähig und lassen sich mit Rohren verlegen. Die Heizung muss niedrig temperiert sein - max. 30 °C - sonst trocknet das Holz aus.
Kann ich das selbst machen?
Den Boden abzutragen und die Unterlage herzustellen, kannst du selbst. Aber die Holzunterkonstruktion, die Dämmung einblasen und die Feuchtigkeitssperre richtig verlegen - das sollte ein Fachmann machen. Ein Fehler hier führt zu Schimmel, Faule und hohen Reparaturkosten. Die meisten Handwerker bieten auch Beratung an - lasst euch vorher einen Plan machen.
Was ist mit alten Holzbalken? Muss ich die ersetzen?
Nur, wenn sie faul oder von Holzwürmern befallen sind. Wenn sie fest und trocken sind, kannst du sie belassen. Aber du musst sie vor der Dämmung mit einem Holzschutzmittel behandeln. Und du musst sicherstellen, dass sie nicht von der neuen Feuchtigkeitssperre abgeschnitten werden - sonst stagniert die Luft und sie faulen von innen.