Dachfenster und Gauben prüfen: So kontrollieren Sie Dichtheit und Wärmeschutz
Feb, 27 2026
Ein trockenes, warmes Dachgeschoss ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis sorgfältiger Planung, fachgerechter Montage und regelmäßiger Kontrolle. Besonders an Dachfenstern und Gauben lauern oft die größten Risiken für Feuchtigkeitsschäden und Energieverluste. Denn hier, wo das Dach auf die Wand trifft, entstehen die schwächsten Stellen. Und wenn diese nicht richtig abgedichtet sind, dringt Wasser ein - oft unsichtbar, bis es zu spät ist. Feuchtigkeit in der Decke, Schimmel an den Wänden, höhere Heizkosten: All das kann die Folge sein. Doch wer regelmäßig prüft, kann das verhindern.
Warum gerade Dachfenster und Gauben so kritisch sind
Dachfenster und Gauben sind keine einfachen Einbauten. Sie durchbrechen die Dachhaut, unterbrechen die Abdichtungsschicht und schaffen Übergänge, die nicht nur Wind und Regen aushalten müssen, sondern auch Temperaturschwankungen. Die meisten Lecks entstehen nicht im Dach selbst, sondern genau dort, wo die Gaube auf das Dach trifft. Hier liegen die Fugen, die sich mit der Zeit lockern, die Dichtungen altern oder die Unterdeckung nicht richtig verlegt wurde. Besonders problematisch sind Gauben auf Flachdächern oder bei Dachneigungen unter 10 Grad. Laut den Dachdeckerfachregeln reicht bei solchen Dächern eine normale Ziegeldachabdichtung nicht aus. Hier braucht es spezielle Lösungen: verstärkte Sparren, mehrere Abdichtungsschichten und diffusionsoffene Dachbahnen. Wer das unterschätzt, baut sich ein Problem für die Zukunft ein. Und das merkt man oft erst, wenn der Putz abblättert oder die Holzkonstruktion faulig wird - und dann ist es teuer.Die drei wichtigsten Anzeichen für Undichtigkeiten
Sie müssen kein Experte sein, um erste Warnsignale zu erkennen. Hier sind die drei klaren Hinweise, dass Ihre Dachfenster oder Gauben überprüft werden müssen:- Feuchtigkeitsspuren an der Decke oder Wänden unter dem Dachfenster - besonders nach starkem Regen oder Schneeschmelze
- Kondenswasser auf der Innenseite der Scheibe, das nicht durch Lüften verschwindet
- Ein kalter Luftzug, der durch das Fenster oder die Gaubenverkleidung strömt - auch im Sommer
Die Sichtprüfung: Der erste Schritt für jeden Hausbesitzer
Bevor Sie teure Geräte anrufen, machen Sie es selbst. Klettern Sie aufs Dach (nur wenn sicher!) oder beobachten Sie von unten mit einer guten Taschenlampe. Suchen Sie gezielt nach:- Rissen in der Dachdeckung um das Fenster herum
- Abgebrochenen oder verfärbten Dachziegeln
- Lockeren oder abgefallenen Dichtungen um die Fensterbänke
- Verfärbungen, Schimmel oder dunkle Flecken an der Dachrinne oder an der Gaubenverkleidung
Der Papierstreifen-Test: Einfach, schnell, zuverlässig
Ein simpler Test, der schon seit Jahren in der Praxis funktioniert, ist der Papierstreifen-Test für Dachfenster. Nehmen Sie einen schmalen Streifen Küchenpapier (ca. 2 cm breit, 15 cm lang) und schieben Sie ihn zwischen den Fensterflügel und das Fensterrahmenprofil. Wenn sich der Streifen nicht bewegen lässt - also völlig fest sitzt - ist das Fenster zu dicht. Das klingt gut, ist es aber nicht. Denn dann kann keine Frischluft mehr durchströmen, und die Luftfeuchtigkeit staut sich. Das führt zu Kondenswasser und Schimmel. Wenn sich der Streifen mit leichtem Widerstand verschieben lässt - wie durch ein leichtes Ziehen - dann ist die Abdichtung optimal. Das Fenster ist luftdicht genug, um Wärmeverluste zu vermeiden, aber nicht so dicht, dass die Luftzirkulation gestört wird. Dieser Test funktioniert bei allen modernen Dachfenstern, egal ob Holz, Kunststoff oder Aluminium. Und er braucht keine Werkzeuge. Nur Papier und ein bisschen Gefühl.Professionelle Prüfmethoden: Thermografie, Rauchtest, Elektroimpuls
Wenn die Sichtprüfung Fragen aufwirft, braucht es professionelle Hilfsmittel. Drei Methoden stehen im Fokus:- Thermografie: Eine Infrarotkamera misst Temperaturunterschiede auf der Dachfläche. Wo es kälter ist, fließt warme Luft nach außen - das ist ein Leck. Der Vorteil: Kein Bohren, kein Öffnen, keine Zerstörung. Aber: Es braucht mindestens 10-15°C Unterschied zwischen innen und außen. Also nicht im Sommer, sondern im Winter oder Herbst. Die Ergebnisse zeigen genau, wo die Wärme entweicht - oft sogar hinter Dachziegeln oder unter Dachbahnen.
- Rauchtest: Ein Rauchgenerator wird an die Dachrinne oder eine Lüftungsöffnung angeschlossen. Dann wird Rauch in das System gepumpt. Wo er austritt, da ist die Undichtigkeit. Besonders gut für schwer zugängliche Stellen, wie unter Dachsparren oder hinter Gaubenverkleidungen. Und er ist so einfach, dass auch Laien ihn mit professioneller Hilfe durchführen können.
- Elektroimpulsverfahren: Eine leitende Schicht wird auf die Dachabdichtung aufgebracht. Dann wird ein elektrischer Impuls gesendet. Wo der Strom fließt, da ist kein Dach mehr - also ein Leck. Diese Methode ist präzise, aber teuer und nur für Flachdächer oder große Dachflächen geeignet.
Was die Normen vorschreiben: DIN EN 13829 und n50-Wert
In Deutschland gibt es klare Regeln. Die DIN EN 13829 beschreibt, wie die Luftdichtheit eines Gebäudes gemessen wird. Dabei wird der n50-Wert berechnet: das Luftvolumen, das pro Stunde durch das Gebäude strömt, geteilt durch das Gesamtvolumen. Ein Wert von 1,5 h⁻¹ gilt als gut, unter 1,0 h⁻¹ als sehr gut. Für Neubauten ist das Pflicht. Auch bei Sanierungen, die mehr als 10% der Dachfläche betreffen, muss ein Nachweis erbracht werden. Und das ist kein theoretisches Papier. Wer hier nicht nachkommt, bekommt keine Förderung von der KfW. Wer eine Gaube nachrüstet, muss die Luftdichtheit der gesamten Gebäudehülle berücksichtigen. Das bedeutet: Ein neues Dachfenster allein reicht nicht. Es muss in das Gesamtkonzept passen. Deshalb sollten Sie immer einen Fachmann hinzuziehen, wenn Sie mehr als ein Fenster austauschen oder eine Gaube bauen.
Was Sie selbst tun können - und was nicht
Sie können vieles selbst prüfen. Aber nicht alles selbst reparieren. Hier ist die klare Trennung:- Selbst machen: Sichtprüfung, Papierstreifen-Test, Kontrolle der Dachrinne, Reinigen von Abflüssen, Nachziehen von Schrauben an Fensterbänken.
- Nur Fachmann: Reparatur von Dachbahnen, Austausch von Dichtungen unter Ziegeln, Thermografie, Elektroimpulsprüfung, Umbau der Gaubenanschlussdetails.
Wann ist die beste Zeit für die Prüfung?
Im Herbst. Nicht im Winter, nicht im Frühling. Im Herbst. Warum? Weil dann die Temperaturen zwischen innen und außen groß genug sind, um eine Thermografie sinnvoll durchzuführen. Und weil noch Zeit ist, bevor der erste Schnee fällt. Wenn Sie im Oktober prüfen, haben Sie bis Dezember Zeit, Reparaturen zu planen und auszuführen. Im Winter ist es zu kalt, im Frühjahr ist es oft zu nass, und im Sommer gibt es keine Temperaturdifferenz. Ein weiterer Vorteil: Viele Dachdeckerbetriebe haben im Herbst weniger Termine. Sie bekommen schneller einen Termin. Und oft gibt es sogar Rabatte für Vorsorgeprüfungen.Was passiert, wenn Sie nichts tun?
Dachlecks sind nicht wie ein kaputter Wasserhahn. Sie wachsen langsam. Ein Tropfen pro Tag wird zu einem Strahl. Ein kleiner Schimmelfleck wird zu einer ganzen Wand. Und das Holz unter dem Dach? Es beginnt zu faulen. Das ist nicht nur teuer zu reparieren - es ist auch gefährlich. Ein abgebrochener Sparren, ein eingestürztes Dachgeschoss - das passiert nicht plötzlich. Es passiert, weil jemand jahrelang nichts getan hat. Die Kosten für eine professionelle Prüfung liegen zwischen 150 und 500 Euro. Die Kosten für eine Reparatur, wenn der Schaden schon da ist? Oft zwischen 5.000 und 20.000 Euro. Und das ist nur der Anfang. Denn dann kommt der Schimmel, die Versicherung weigert sich, die Schäden zu bezahlen, und die Bausubstanz ist dauerhaft beschädigt. Es ist nicht nur eine Frage von Geld. Es ist eine Frage von Sicherheit. Und von Gesundheit.Wie oft sollte ich Dachfenster und Gauben prüfen?
Mindestens einmal pro Jahr, idealerweise im Herbst. Bei älteren Dächern (über 15 Jahre), nach Stürmen oder wenn Sie Feuchtigkeit bemerken, sollten Sie sofort prüfen. Professionelle Thermografie empfiehlt sich alle 3-5 Jahre, besonders bei Sanierungen oder Neubauten.
Kann ich eine Undichtigkeit mit dem Auge erkennen?
Ja - aber nur, wenn der Schaden schon groß ist. Die meisten Lecks entstehen unsichtbar unter der Dachhaut oder an den Übergängen. Feuchtigkeitsspuren, Schimmel oder Kondenswasser sind sichtbare Folgen - aber nicht die Ursache. Deshalb ist die Sichtprüfung nur der erste Schritt. Für die genaue Ursache braucht es Thermografie oder Rauchtest.
Ist ein Dachfenster mit Kondenswasser defekt?
Nicht unbedingt. Kondenswasser auf der Innenseite kann auch von zu hoher Luftfeuchtigkeit im Haus stammen - etwa durch Trocknen von Wäsche, zu wenig Lüften oder fehlende Dämmung. Prüfen Sie zuerst die Luftfeuchtigkeit im Raum. Wenn sie über 60% liegt, liegt das Problem eher im Lüftungsverhalten. Wenn das Fenster aber trotz guter Luftfeuchtigkeit immer feucht ist, ist die Abdichtung oder Isolierung defekt.
Was kostet eine professionelle Dichtheitsprüfung?
Die Kosten variieren je nach Methode und Größe. Eine Sichtprüfung mit Fachmann kostet etwa 100-150 Euro. Eine Thermografie mit Auswertung liegt zwischen 250 und 500 Euro. Für eine einzelne Gaube mit zwei Fenstern rechnen Sie mit 200-300 Euro. Die Investition lohnt sich, wenn sie Schäden im vier- oder fünfstelligen Bereich verhindert.
Muss ich eine Gaube genehmigen, wenn ich sie prüfen lasse?
Nein. Eine Prüfung ist keine bauliche Veränderung. Sie müssen nur eine Genehmigung einholen, wenn Sie die Gaube erweitern, neu bauen oder die Dachform verändern. Eine einfache Dichtheitsprüfung, egal ob mit Thermografie oder Rauchtest, ist eine Wartungsmaßnahme und bedarf keiner Genehmigung.