Eigenleistungen im Hausbau: Terminplanung am Wochenende und Arbeitssicherheit richtig umsetzen
Jan, 31 2026
Wenn du dein Haus selbst baust, sparen Eigenleistungen bares Geld. Aber wie viel Zeit brauchst du wirklich? Und was passiert, wenn du am Samstagmorgen erschöpft auf der Baustelle stehst, weil du gestern bis 22 Uhr gearbeitet hast und am Montag um 7 Uhr wieder im Büro sein musst? Viele Bauherren unterschätzen den Zeitaufwand - und die Risiken. Es geht nicht nur um Fliesen legen oder Wände streichen. Es geht darum, ob du deine Gesundheit, deine Beziehung und deine Sicherheit aufs Spiel setzt, um 10.000 Euro zu sparen.
Wie viel Zeit verbrauchen Eigenleistungen wirklich?
Ein 140 Quadratmeter großes Haus auszubauen, braucht laut Verband privater Bauherren etwa 850 Arbeitsstunden. Klingt machbar? Stell dir vor, du hast nur 20 Stunden pro Woche Zeit - das ist realistisch, wenn du Vollzeit arbeitest und am Wochenende baust. 850 Stunden geteilt durch 20 ergibt 42 Wochen. Das sind fast zehn Monate. Und das ist nur die reine Arbeitszeit. Dazu kommen Vorbereitung, Wartezeiten auf Material, schlechtes Wetter, kaputte Werkzeuge oder kranke Helfer.
Ein erfahrener Handwerker macht eine Aufgabe in einem Tag. Du als Laie brauchst dafür drei bis vier Tage - besonders, wenn du nach einem langen Arbeitstag noch Energie hast. Bei Fliesenarbeiten: Ein Profi braucht 40 Stunden. Du solltest 80 Stunden einplanen. Das ist kein Mythos, das ist die Realität. Und wenn du dich für Elektrik oder Sanitär entscheidest, weil du denkst, „das kann ich doch auch“ - dann bist du auf dem Weg zu einer teuren und gefährlichen Fehlentscheidung.
Wochenendplanung: Der große Irrtum
Die meisten Bauherren denken: „Am Wochenende habe ich Zeit.“ Aber was passiert, wenn dein Freund, der dir helfen wollte, plötzlich krank wird? Oder deine Frau sich weigert, noch eine weitere Woche an der Baustelle zu stehen, weil sie dich nicht mehr erkennt? Die Baufirma wartet nicht. Die Folgegewerke warten nicht. Und dein Kredit zahlt weiter - jeden Monat. Ein Monat Verzögerung kostet dich nicht nur Zinsen, sondern auch Miete, wenn du noch wohnst.
Und dann kommt der Urlaub. Dein Jahresurlaub ist aufgebraucht. Du hast keine Tage mehr. Du hast keine Kraft mehr. Du bist erschöpft, gereizt, schläfst schlecht. Und dann kommt der Tag, an dem du dich fragst: „Warum tue ich mir das an?“ Viele Ehen scheitern nicht am Geld, sondern an der Baustelle. Weil die Belastung zu groß wurde. Weil kein Platz mehr war für Familie, Freunde, Ruhe.
Ein realistischer Zeitplan ist kein Luxus - er ist Überlebensstrategie. Notiere jeden Tag, was du gemacht hast. Wie lange hat das gedauert? Was ist schiefgelaufen? Führe ein Bautagebuch. Das hilft dir später, wenn du die Eigenleistungen als Eigenkapital geltend machen willst. Die Berliner Sparkasse bestätigt: Wer seine Arbeit dokumentiert, hat bessere Chancen bei der Finanzierung.
Arbeitssicherheit: Das, was keiner erwähnt
Es gibt Arbeiten, die du einfach nicht selbst machen solltest. Elektrik. Sanitär. Heizung. Das ist kein Tipp, das ist Gesetz. Und es ist keine Frage der Kosten - es ist eine Frage der Sicherheit. Eine falsch verlegte Leitung kann einen Brand auslösen. Ein undichter Wasseranschluss kann den Boden unter dir zerstören. Ein falsch eingestellter Heizkessel kann dich vergiften. Und wer zahlt, wenn du dich verletzt? Die Bauberufsgenossenschaft? Nein. Du zahlst. Mit deiner Gesundheit.
Der Verband privater Bauherren sagt klar: Arbeiten in den Wänden, hinter den Fliesen, in der Technik - das ist Sache von Fachleuten. Was du selbst machen kannst: Malerarbeiten, Trockenbau, Bodenbeläge, Gartenarbeit, Innenausbau ohne Technik. Das sind die sicheren Bereiche. Alles andere ist Risiko. Und Risiko ist teuer. Nicht nur in Geld, sondern in Schmerz, Krankheit, Versicherungsproblemen.
Und was ist mit deinen Helfern? Wenn dein Bruder dir hilft, ist er versichert? Nein. Wenn er sich verletzt, haftest du. Die Berliner Sparkasse sagt: Du musst auch die Beiträge zur Bauberufsgenossenschaft für Helfer einrechnen. Das ist kein kleiner Betrag. Das ist oft 15 bis 20 Euro pro Stunde pro Person. Du denkst, du sparst Geld? Du zahlst es später mit Zinsen und Risiken.
Die Muskelhypothek - ein verlockendes Versprechen
„Mit Eigenleistungen sparst du zehn Prozent der Bausumme.“ Klingt gut. Aber wie viel Zeit kostet das? 20 Stunden pro Woche. 42 Wochen. 850 Stunden. Das sind 21 volle Arbeitstage - ohne Puffer. Und das ist nur, wenn alles perfekt läuft. Was, wenn du zwei Wochen krank bist? Was, wenn das Material nicht kommt? Was, wenn die Wand nicht gerade wird und du alles neu machen musst?
Ein Beispiel: Du sparst 10.000 Euro an Lohnkosten. Das klingt nach viel. Aber das sind nur etwa 50 Euro monatlich weniger bei deiner Baufinanzierung. Ist das die Mühe wert? Ist es das wert, wenn du jeden Abend müde bist, am Wochenende keine Zeit hast für deine Kinder, und deine Partnerin dich nicht mehr anspricht, weil du nur noch von der Baustelle redest?
Und das ist nicht alles. Du brauchst auch Material. Werkzeuge. Transport. Schutzkleidung. Sicherheitsausrüstung. Das kostet auch Geld. Und wenn du etwas kaputt machst, musst du es neu kaufen. Und wenn du etwas falsch machst, muss ein Profi es reparieren. Und das kostet doppelt.
Planung ist alles - aber realistisch planen
Ein guter Plan hat drei Elemente: Zeit, Puffer, Grenzen.
- Zeit: Rechne mit 50 Prozent mehr als der Profi braucht. Wenn er 40 Stunden braucht, rechne mit 60. Wenn er 80 braucht, rechne mit 120.
- Puffer: Mindestens 20 Prozent Zeitpuffer einplanen. Für Krankheit, Wetter, Materialverzögerung, Helfer-Ausfall. Ohne Puffer bricht dein Plan zusammen.
- Grenzen: Sag Nein zu Arbeiten, die du nicht beherrschst. Sag Nein zu Helfern, die nicht zuverlässig sind. Sag Nein zu der Idee, dass du alles schaffen kannst. Du bist kein Supermann. Du bist ein Mensch mit Grenzen.
Rede mit deinem Architekten. Frag ihn: „Welche Arbeiten sind sinnvoll für mich? Welche sind gefährlich? Welche machen Sinn, wenn ich nur am Wochenende Zeit habe?“ Er kennt die Bauphase. Er kennt die Gewerke. Er kennt die Zeitabläufe. Nutze seine Erfahrung - nicht nur deine Hoffnung.
Und sprich mit deiner Baufirma. Vereinbare klar: Was passiert, wenn du verspätet bist? Wer übernimmt die Folgearbeiten? Wer zahlt, wenn die Fassade nicht rechtzeitig kommt, weil du die Dämmung nicht fertig hast? Schreibe es auf. Verträge schützen dich - nicht nur die Baufirma.
Was du wirklich sparen kannst - und was nicht
Wenn du wirklich Geld sparen willst, dann konzentriere dich auf das, was du sicher und mit wenig Zeit machen kannst:
- Wände streichen
- Fliesen in Bad oder Küche legen (wenn du eine Anleitung hast)
- Einbau von Regalen, Schränken, Gardinen
- Gartenarbeit: Wege pflastern, Beete anlegen, Hecke schneiden
- Montage von Möbeln, Türen, Fensterbänken
Verzichte auf:
- Elektrik - nie selbst
- Sanitär - nie selbst
- Heizung - nie selbst
- Tragwerke - nie selbst
- Dämmung von Außenwänden - nur mit Profi
Und vergiss nicht: Du sparst nicht nur Geld. Du sparst auch Stress. Du sparst deine Beziehung. Du sparst deine Gesundheit. Und das ist der größte Gewinn.
Was kommt nach der Baustelle?
Du hast dein Haus gebaut. Du hast die Eigenleistungen erbracht. Jetzt kommt der Moment, in dem du dich fragst: „War das alles wert?“
Wenn du die Arbeit gut geplant hast, wenn du Grenzen gesetzt hast, wenn du dich nicht übernommen hast - dann ist die Antwort: Ja.
Wenn du dich ausgebrannt hast, deine Familie belastet hast, und dich ständig Sorgen gemacht hast - dann ist die Antwort: Nein. Dann hast du nicht gespart. Du hast bezahlt. Mit deiner Zeit. Mit deiner Kraft. Mit deiner Ruhe.
Ein Haus ist kein Projekt. Es ist ein Lebensraum. Und du bist kein Handwerker. Du bist ein Mensch. Und du hast das Recht, in deinem Haus zu leben - ohne Angst, ohne Schmerz, ohne Regret.
Planst du Eigenleistungen? Dann fang klein an. Mach nur das, was du sicher kannst. Und lass die Gefährlichen den Profis. Denn am Ende zählt nicht, wie viel du selbst gemacht hast. Sondern, wie gut du lebst - in deinem Haus.
Wie viele Stunden brauche ich wirklich für Eigenleistungen in einem 140 m² Haus?
Laut Verband privater Bauherren (VPB) benötigst du etwa 850 Arbeitsstunden, um ein 140 Quadratmeter großes Haus auszubauen. Das entspricht bei 20 Stunden pro Woche fast 42 Wochen - also über zehn Monate. Rechne mit 50 Prozent mehr Zeit, wenn du kein Handwerker bist. Fliesenlegen, das ein Profi in 40 Stunden schafft, dauert als Laie 80 Stunden oder mehr.
Welche Arbeiten darf ich als Laie selbst machen?
Du darfst Malerarbeiten, Bodenbeläge, Einbau von Möbeln, Regalen, Gardinen, Gartenarbeit und Trockenbau selbst erledigen. Alles, was keine Technik berührt - also keine Elektrik, Sanitär oder Heizung - ist in der Regel sicher und machbar. Die Wände selbst zu verlegen oder die Dämmung von Außenwänden zu machen, sollte aber nur mit professioneller Anleitung erfolgen.
Warum ist Arbeitssicherheit bei Eigenleistungen so wichtig?
Falsch verlegte Elektrik kann einen Brand auslösen, undichtes Sanitär führt zu Schimmel und Strukturbruch, und eine falsch eingestellte Heizung kann zu Kohlenmonoxidvergiftung führen. Diese Arbeiten sind nicht nur gefährlich - sie sind oft gesetzlich verboten. Und wenn du dich oder einen Helfer verletzt, haftest du persönlich. Die Bauberufsgenossenschaft zahlt nicht automatisch - du musst die Beiträge selbst tragen.
Wie viel Geld spart man wirklich mit Eigenleistungen?
Du sparst den Lohn für Handwerker - aber nicht unbedingt Geld. 10.000 Euro an Lohnkosten sparen, reduziert deine monatliche Finanzierungsrate nur um etwa 50 Euro. Dazu kommen Materialkosten, Werkzeug, Transport, Schutzkleidung und mögliche Reparaturen. Wenn du dich übernimmst, kostet es dich mehr: Krankheit, Stress, Beziehungskonflikte. Der wahre Gewinn ist nicht das Geld - sondern die Sicherheit, dass du alles richtig gemacht hast.
Was ist ein Zeitpuffer und warum brauche ich ihn?
Ein Zeitpuffer ist zusätzliche Zeit, die du einplanst, um unvorhergesehene Verzögerungen aufzufangen - Krankheit, schlechtes Wetter, Materialausfall, Helfer, die absagen. Ohne Puffer bricht dein Bauablauf zusammen. Experten empfehlen mindestens 20 Prozent Puffer. Wenn du 850 Stunden rechnest, plane 1.020 Stunden ein. Nur so bleibst du im Zeitplan - und behältst deine Ruhe.
Kann ich Eigenleistungen als Eigenkapital bei der Bank geltend machen?
Ja, das ist möglich - und wird oft als „Muskelhypothek“ bezeichnet. Die Berliner Sparkasse und andere Institute akzeptieren Eigenleistungen als Eigenkapital, wenn du sie detailliert dokumentierst. Führe ein Bautagebuch: Datum, Aufgabe, Dauer, Materialverbrauch. Zeige Fotos, wenn möglich. Die Bank braucht Nachweise, dass die Arbeit tatsächlich erbracht wurde - nicht nur, dass du es gesagt hast.
Sollte ich Freunde oder Familie als Helfer einplanen?
Nur, wenn du absolut sicher bist, dass sie zuverlässig sind. Viele Bauherren berichten, dass Helfer absagen, wenn es regnet, oder einfach verschwinden, wenn der Stress steigt. Das kostet Zeit - und Nerven. Wenn du auf andere angewiesen bist, plane eine Alternative ein. Oder arbeite nur mit deinem Partner - und nur, wenn beide wirklich wollen. Sonst wird es zur Belastung - nicht zur Hilfe.
Angela Washington-Blair
Januar 31, 2026 AT 10:42Max Summerfield
Januar 31, 2026 AT 18:33Nicole L
Februar 1, 2026 AT 06:50Justice Siems
Februar 3, 2026 AT 05:11