Exit-Strategien bei Immobilieninvestments: Verkauf, Refinanzierung, Halten - Was wirklich funktioniert

Exit-Strategien bei Immobilieninvestments: Verkauf, Refinanzierung, Halten - Was wirklich funktioniert Feb, 11 2026

Was passiert, wenn du deine Immobilie nicht mehr halten willst?

Vielleicht hast du vor fünf Jahren eine Wohnung in Leipzig gekauft, weil der Markt boomte. Heute steht sie leer, die Mieter sind weg, und du fragst dich: Verkaufen, refinanzieren oder halten? Viele Investoren entscheiden einfach - und verlieren dabei Tausende Euro. Eine klare Exit-Strategie ist nicht optional. Sie ist die einzige Chance, wirklich Gewinn zu machen - und nicht nur zu hoffen.

Verkaufen: Der Klassiker - aber nur, wenn du den richtigen Moment triffst

Der Verkauf ist die einfachste Exit-Strategie. Aber das bedeutet nicht, dass sie einfach ist. Laut Desk.immo (2023) ist sie der häufigste Weg, doch 68 % der Privatinvestoren verkaufen zu falschen Zeitpunkten - wie die Deutsche Bundesbank 2022 feststellte. Warum? Weil sie den Markt nicht lesen.

Ein Beispiel: Ein Investor kaufte 2019 eine 80 m²-Wohnung in Köln für 190.000 €. Er dachte, der Markt steigt weiter. 2023 war der Preis noch bei 205.000 €. Er verkaufte. Ein Jahr später stieg der Preis auf 240.000 €. Er verpasste 35.000 €. Warum? Er hatte kein Ziel. Keinen Preis. Keinen Zeitrahmen.

Der richtige Verkauf funktioniert anders. Du musst drei Dinge wissen:

  • Wie hoch ist der Marktwert? Nutze KI-Tools wie Desk.immo oder TÜV Rheinland-Check. 34 % der Verkäufer unterschätzen den Renovierungsbedarf - das senkt den Preis.
  • Wann ist der Markt am höchsten? In Ballungsräumen wie Berlin, München oder Hamburg steigen Preise länger. In strukturschwachen Regionen sinken sie schneller. Die Stadtplanung in München zeigt: Die verfügbare Baugrundfläche fiel von 9,2 Hektar (2020) auf 4,7 Hektar (2023). Das treibt Preise - aber nur dort.
  • Was kostet der Verkauf? Notarkosten: 1,5-2 % des Kaufpreises. Makler: 3-6 %. Steuern? Wenn du die Wohnung weniger als 10 Jahre hältst, zahlt du Kapitalertragssteuer - bis zu 30 % des Gewinns. Das Einkommensteuergesetz § 23 Abs. 1 Nr. 1 lässt keine Ausnahmen.

Ein Investor aus Leipzig, der sich „HausInvest2020“ nennt, verkaufte 2023 eine sanierte Wohnung für 285.000 € - nachdem er sie 2021 für 120.000 € gekauft und für 70.000 € renoviert hatte. Seine Rendite: 18,5 %. Wie? Er hatte einen klaren Plan: Maximal 18 Monate Sanierung. Maximal 10 % Überkosten. Und er verkaufte, als die Nachfrage nach modernisierten Wohnungen in Leipzig auf dem Höhepunkt war.

Refinanzierung: Geld aus der Immobilie holen - ohne sie zu verkaufen

Stell dir vor: Du hast deine Immobilie voll bezahlt. Du verdienst Miete. Aber du brauchst Geld - für eine neue Wohnung, ein Unternehmen, oder einfach nur, um abzusichern. Dann kannst du die Immobilie als Kreditsicherheit nutzen. Das nennt man Refinanzierung.

Das funktioniert so: Du nimmst einen neuen Kredit auf, der höher ist als dein alter Kredit. Der Differenzbetrag fließt auf dein Konto. Du behältst die Wohnung, behältst die Miete - und hast Bargeld.

Das klingt perfekt. Ist es aber nicht immer. Im Oktober 2022 stieg der Zins der EZB. Ein Investor in Köln, der „ZinsSchock“ heißt, wollte sein Mehrfamilienhaus refinanzieren. Sein Plan: 5,2 % Rendite. Nach der Zinswende: 2,8 %. Er verlor mehr als die Hälfte seiner geplanten Rendite.

Warum? Weil er nicht bedacht hatte: Refinanzierung funktioniert nur, wenn die Zinsen niedrig sind und die Miete stabil bleibt. Mietausfälle? In strukturschwachen Regionen wie Teilen von Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern sind sie häufig. Instandhaltungskosten? Bei Gebäuden über 30 Jahren steigen sie jährlich um 3-5 %. Die Kuffner-Immoinvest-Studie (2023) zeigt: Nur 41 % der Refinanzierungen bringen langfristig mehr als die ursprüngliche Mietrendite.

Wenn du es versuchst, musst du:

  • Deine Mieteinnahmen genau berechnen - nicht nur mit aktuellen Mietern, sondern mit realistischen Leerstandszeiten.
  • Den Zinsverlauf im Auge behalten. Die Deutsche Bank prognostiziert: Mittelfristig bleiben Zinsen bei 3,5-4,0 %. Das ist kein Boom mehr.
  • Die Kreditlaufzeit abwägen. Ein 30-Jahres-Kredit klingt sicher - aber du bist dann 65, wenn er endet. Hast du dann noch Einkommen?
Investor in Büro, der zwischen steigenden Zinsen und stabilen Mietverträgen abwägt.

Halten: Die langsame, aber stärkste Rendite

Die Haltestrategie - „Buy and Hold“ - ist der langfristige Marathon. Sie ist nicht glamourös. Aber sie ist die erfolgreichste. Vonovia SE, Deutschlands größter Wohnungsanbieter, hat seit 2014 eine durchschnittliche jährliche Wertsteigerung von 6,8 % erzielt. Nicht durch Spekulation. Durch halten.

Ein echter Fall aus Berlin: Ein Investor kaufte 2008 eine Dreizimmerwohnung in Neukölln für 185.000 €. Er vermietete sie. 2023 verkaufte er sie für 520.000 €. Die jährliche Wertsteigerung: 7,3 %. Zusätzlich bekam er 850 € Miete im Monat - das sind über 150.000 € Mieteinnahmen in 15 Jahren. Kein Verkauf. Kein Renovierungsaufwand. Nur halten.

Das funktioniert, weil:

  • Immobilien wachsen mit der Inflation.
  • Mieten steigen - auch bei stabilen Zinsen.
  • Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt hoch - trotz Bevölkerungsrückgang. Das Statistische Bundesamt sagt: Bis 2040 wird die Bevölkerung um 5,1 % sinken. Aber die Zahl der Haushalte steigt - mehr Einpersonenhaushalte, mehr Single-Wohnungen.

Die Regel: Mindestens 10-15 Jahre halten. Weniger als 10 Jahre? Dann zahlt du Steuern. Mehr als 15 Jahre? Dann wirst du reich. Nicht durch schnelle Gewinne. Durch konsistente, sichere Zuwächse.

Und hier kommt der neue Faktor: ESG. Seit 2022 sinkt die Nachfrage nach Immobilien ohne Energieeffizienz. Nicht zertifizierte Wohnungen verlieren bis zu 22 % an Wert. Deine 2008er Wohnung in Neukölln? Wenn sie nicht gedämmt wurde, wäre sie heute 100.000 € weniger wert. Die Energieeinsparverordnung (GEG) und die geplante CO2-Steuer ab 2025 machen unsanierte Objekte fast unverkäuflich.

Die drei Strategien im Vergleich: Was passt zu dir?

Vergleich der drei Exit-Strategien
Strategie Zeitrahmen Renditepotenzial Risiken Wann sinnvoll?
Verkauf 1-5 Jahre Moderat bis hoch (10-25 %) Marktzeitpunkt, Steuern, Renovierungskosten Wenn du schnell Geld brauchst und der Markt hoch ist
Refinanzierung 5-15 Jahre Moderat (3-6 %) Zinssteigerung, Mietausfälle, Instandhaltung Wenn du Mieteinnahmen behalten willst und Zinsen niedrig sind
Halten 10-20+ Jahre Hoch (6-9 % jährlich) Langfristige Instandhaltung, ESG-Anforderungen, Liquiditätsengpass Wenn du langfristig reich werden willst - und keine kurzfristige Auszahlung brauchst
Berlin-Neukölln-Wohnhaus über 15 Jahre: von veraltet bis energieeffizient mit steigendem Wert.

Warum die meisten scheitern - und wie du es vermeidest

Die meisten Investoren haben keine Exit-Strategie. Sie haben eine Hoffnung.

Studien zeigen:

  • 62 % verpassen den optimalen Verkaufszeitpunkt (ImmobilienScout24, 2023).
  • 41 % verpassen Steueroptimierungen (DATEV, 2022).
  • 37 % der Renovierungsprojekte überschreiten die Budgets - und schmelzen die Gewinnmarge (IHK München, 2022).

Was hilft?

  • Starte früh: Bereits beim Kauf solltest du wissen: Wie lange halte ich? Wann verkaufe ich? Was kostet der Verkauf?
  • Arbeite mit Experten: Ein Immobilienberater kostet 1-3 % der Verkaufssumme. Aber er spart dir oft 10-20 %. Ein Steuerberater ab Kaufphase? Unverzichtbar.
  • Beobachte den Markt: Die JLL-Studie 2023 zeigt: Zertifizierte Immobilien (z. B. mit Energieeffizienzklasse A) sind 12,5 % wertvoller. Wenn du nicht sanierst, verlierst du.
  • Denke digital: KI-Tools wie Desk.immo analysieren Trends 3-6 Monate im Voraus. Sie sagen dir: „Verkaufe jetzt“ oder „Warte noch 8 Monate“.

Was kommt als Nächstes?

2025 wird alles anders. Blockchain-basierte Immobilienregistern sollen Transparenz bringen. Die CO2-Steuer wird nicht zertifizierte Objekte unbezahlbar machen. Und die Nachfrage nach nachhaltigen Wohnungen wird steigen - nicht nur in Berlin, sondern auch in Hildesheim, Leipzig oder Kassel.

Die alten Regeln gelten nicht mehr. Wer nur auf Miete und Wertsteigerung setzt, ohne ESG zu berücksichtigen, verliert. Wer auf schnelle Gewinne hofft, ohne Plan, verliert. Wer hält - aber nicht sanieren lässt - verliert.

Die beste Exit-Strategie ist keine Strategie. Sie ist eine Systematik: Klare Ziele. Klare Zeitlinie. Klare Kosten. Und eine klare Antwort auf die Frage: Was passiert, wenn der Markt umschlägt?