Grenzen der DIY-Elektrik und -Sanitär: Was in Deutschland erlaubt ist
Feb, 14 2026
Was du wirklich selbst machen darfst - und was nicht
Wenn du in deiner Wohnung eine neue Steckdose einbauen willst, weil die alte nicht mehr reicht, oder den alten Warmwasserboiler austauschen möchtest, weil er quietscht und tröpfelt: Halt. Bevor du den Schraubenzieher ansetzt, musst du wissen: In Deutschland ist das, was du als kleines Heimwerkerprojekt siehst, oft eine rechtliche Grauzone - oder sogar ein Verstoß mit schwerwiegenden Folgen. Die Grenzen zwischen erlaubten DIY-Arbeiten und verbotenen Installationen sind klar, aber kaum jemand kennt sie wirklich. Und das ist gefährlich.
Die rechtliche Grundlage dafür ist die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV). Sie gilt seit 2011 und wurde zuletzt 2020 aktualisiert. Sie sagt klar: Elektrische Installationen hinter der Hausanschlusssicherung sind nicht dein Spielplatz. Du darfst nicht einfach Kabel verlegen, Schalter einbauen oder Sicherungen austauschen, wenn es um die Verbindung zwischen Stromnetz und deiner Steckdose geht. Das ist kein Versehen - das ist ein Straftatbestand. Jedes Jahr werden etwa 15.000 Bußgeldverfahren wegen unsachgemäßer Elektroarbeiten eingeleitet. Die Zahlen kommen vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).
Was du selbst machen darfst - und warum
Ja, du darfst etwas selbst tun. Aber nur das, was wirklich kein Risiko birgt. Dazu gehören:
- Den Austausch von Leuchtmitteln - also Glühbirnen, LED-Lampen, Energiesparlampen - in bestehenden Lampen. Solange du nicht die Fassung oder die Verkabelung berührst, ist das völlig in Ordnung.
- Den Austausch von Sicherungen - aber nur im Zählerschrank, und nur wenn du ganz sicher bist, welche Sicherung du wechselst. Die muss eindeutig gekennzeichnet sein, z. B. mit "Küche" oder "Wohnzimmer". Wenn du unsicher bist, ruf den Elektriker. Ein falsch eingebautes Sicherungselement kann die ganze Leitung überlasten.
- Das Anschließen von Geräten - wie Staubsauger, Toaster oder Fernseher - über Steckdosen. Solange du das Gerät selbst nicht modifizierst und nur nach Herstelleranleitung anschließt, ist das erlaubt.
- Vorbereitungsarbeiten - du darfst Schlitze in die Wand stemmen, Leerrohre verlegen, Kabelkanäle anbringen. Aber: Du darfst das Kabel nicht einziehen, nicht anschließen, nicht absichern. Das muss ein Elektrofachmann machen. Erst dann ist die Installation legal.
Das ist der Kern: Du darfst nur das tun, was nicht mit der festen Verkabelung im Haus zu tun hat. Alles, was mit der Leitung von der Sicherung bis zur Steckdose zu tun hat, ist verboten. Warum? Weil hier die Lebensgefahr liegt.
Was du auf keinen Fall selbst machen darfst
Wenn du eines der folgenden Dinge tust, riskierst du nicht nur deine Sicherheit - du gefährdest auch die der ganzen Wohnung, und du verlierst deinen Versicherungsschutz.
- Steckdosen oder Schalter einbauen - egal ob neu oder ausgetauscht. Selbst wenn du denke, du hättest es "gut gemacht" - die DIN-VDE-Normen schreiben vor, dass nur Fachleute die Verbindungen herstellen dürfen.
- Kabel verlegen - in der Wand, unter dem Fußboden, in der Decke. Das ist nicht nur verboten, es ist auch technisch extrem riskant. Die DIN 18015-3 schreibt vor, dass Leitungen nur horizontal oder vertikal verlegt werden dürfen - mit Abständen von 20 bis 30 cm zu Wänden, Fenstern und Sanitärleitungen. Wer das ignoriert, riskiert Kurzschlüsse, Überhitzung, oder gar einen Brand.
- Lampen an der Decke anschließen - auch wenn sie nur eine Lampe ist. Die Verkabelung im Deckenanschluss ist Teil der festen Installation. Das ist kein "Büro-Licht", das du einfach ansteckst.
- Sicherungshalterungen austauschen - das ist kein "Schnellwechsel", das ist ein Eingriff in die Schutzfunktion der gesamten Anlage. Eine falsch dimensionierte Sicherung kann lebensgefährlich werden.
- Arbeiten im Bad - besonders in der Nähe von Dusche oder Badewanne. Die DIN VDE 0100-701, die seit Juni 2025 gilt, definiert strenge Schutzbereiche. Dort darfst du nicht mal einen Wasserdampf-Strahler installieren, wenn du kein Elektriker bist.
Ein realer Fall aus Hildesheim: Ein Mieter hat in seiner Garage eine Steckdose selbst eingebaut. Nach drei Wochen fing die Wand an zu qualmen. Der Elektriker fand heraus: Die Sicherung war mit 16 Ampere ausgelegt - statt der vorgeschriebenen 10 Ampere für Außenbereiche. Der Brandherd war nur einen Zentimeter von einem Holzbalken entfernt. Die Reparatur kostete 500 Euro. Die Versicherung zahlte nichts. Denn: Die Installation war nicht fachgerecht.
Warum ist das so streng? Weil es funktioniert
Deutschland hat eine der strengsten Elektroregulierungen in Europa. In den Niederlanden oder Österreich darfst du unter bestimmten Bedingungen kleine Arbeiten selbst machen. In Deutschland nicht. Warum?
Weil es funktioniert. Die Zahl der tödlichen Stromunfälle ist von 87 im Jahr 2010 auf 42 im Jahr 2022 gesunken - laut Statistischem Bundesamt. In Spanien, wo die Regeln lockerer sind, stieg die Zahl von 38 auf 51. Der Unterschied? In Deutschland wird nicht experimentiert. Jede Installation wird von einem zertifizierten Meisterbetrieb überprüft, der haftet. Und das zahlt sich aus.
Prof. Dr. Klaus-Peter Möller von der TU Berlin sagt es klar: "Ein falsch angeschlossener Schalter kann im schlimmsten Fall zum Brandherd werden. Die Schwelbrandphase bei unsachgemäß verlegten Leitungen dauert durchschnittlich 72 Stunden. Bis dahin bemerkt niemand etwas. Dann ist es zu spät."
Und das ist kein theoretisches Risiko. Der ZVEH sagt: In 68 Prozent der Fälle, in denen Laien Elektroarbeiten durchgeführt haben, wurden gravierende Mängel gefunden - falsch gepolte Steckdosen, überlastete Leitungen, fehlende Fehlerstromschutzschalter. Kein Wunder, dass die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) und Versicherer wie R+V oder Allianz klarmachen: Wenn du selbst gebaut hast und es zu einem Schaden kommt, greift deine Wohngebäudeversicherung nicht. 73 Prozent der Schadensfälle durch DIY-Elektrik sind nicht versichert.
Sanitär: Auch hier gilt: Finger weg
Das gilt nicht nur für Elektrik. Auch bei Sanitärinstallationen gibt es klare Grenzen. Du darfst:
- Eine neue Dusche montieren - wenn sie als Fertigmodul kommt und nur mit Schlauch und Wasseranschluss verbunden wird.
- Eine alte Toilette austauschen - wenn du den Wasserhahn abdrehst, die alte abkoppelst und die neue einfach aufschraubst.
- Ein Waschbecken wechseln - wenn es mit Standardanschlüssen arbeitet und du keine Rohre verlegst.
Du darfst aber nicht:
- Neue Abwasserleitungen verlegen - das ist eine Baugenehmigungspflichtige Arbeit.
- Heizkörper anschließen - das ist eine Heizungsinstallation und unterliegt der Heizungs- und Sanitär-Verordnung.
- Wasserleitungen in der Wand verlegen - das ist nicht nur verboten, es ist auch technisch unmöglich, ohne Druckprüfung und Fachprüfung.
Ein Fall aus dem Jahr 2024: Ein Hausbesitzer in Braunschweig hat den Warmwasserboiler selbst angeschlossen - ohne Ablassventil, ohne Druckprüfung. Zwei Monate später brach die Leitung. 15.000 Euro Wasserschaden. Die Versicherung: "Nein. Kein Fachmann, kein Versicherungsschutz."
Smart Home? Auch da gilt: Fachmann
Heute will jeder sein Zuhause smart machen. Neue Lichtschalter, intelligente Steckdosen, Sensoren für Heizung und Rollladen. Aber was ist erlaubt?
Die Antwort: Nichts, was mit der festen Verkabelung zu tun hat. Ein Smart-Home-Steckdose, die du einfach in die Wandsteckdose steckst - das ist erlaubt. Aber ein Smart-Schalter, den du anstelle des alten Lichtschalters einbaust? Das ist verboten. Denn du veränderst die Verkabelung im Wandanschluss. Das ist Elektroinstallation - und das darf nur ein Fachmann.
Die Bundesnetzagentur hat im Juli 2024 die Kampagne "Strom sicher" gestartet. In Videotutorials zeigt sie genau, was du tun darfst - und was nicht. Über 1,2 Millionen Aufrufe bis September 2024 zeigen: Viele wissen es einfach nicht.
Was kommt 2026? Noch strenger
Ab 1. Januar 2026 tritt eine Novelle der NAV in Kraft. Netzbetreiber müssen alle Anlagen hinter der Hausanschlusssicherung alle fünf Jahre auf Konformität prüfen. Das bedeutet: Wer selbst gebaut hat, wird entdeckt. Und dann? Bußgeld. Und Versicherungsverweigerung.
Gleichzeitig gibt es neue Produkte: Steckdosen mit integrierter Fehlerstromschutzeinrichtung (FI), die vom VDE-Prüf- und Zertifizierungsinstitut zertifiziert wurden. Sie sind sicherer. Aber: Du darfst sie immer noch nicht in die Wand einbauen. Nur ein Elektriker darf sie montieren. Die Technik wird sicherer - die Regeln werden strenger.
Was tun, wenn du unsicher bist?
Wenn du nicht sicher bist - dann zögere nicht. Ruf einen Elektrofachmann an. Es kostet 80 bis 150 Euro für eine kleine Reparatur. Aber es verhindert einen Brand. Es verhindert einen Schadensfall. Es verhindert, dass du deine Versicherung verlierst.
Ein Elektriker aus Hildesheim sagte mir: "Ich habe letzte Woche drei Fälle gesehen, wo Leute versucht haben, Steckdosen selbst einzubauen. Alle drei hatten falsch dimensionierte Kabel. Zwei davon hätten in der Nacht gebrannt. Keiner hat es gemerkt."
Es geht nicht um Kosten. Es geht um Sicherheit. Und um deine Verantwortung.
Was ist der nächste Schritt?
Wenn du planst, etwas zu machen - dann frage vorher:
- Geht es um die Verkabelung zwischen Sicherung und Steckdose? → Dann nein, nicht selbst.
- Geht es um eine Steckdose, die du in die Wand einbaust? → Dann nein, nicht selbst.
- Geht es um ein Gerät, das du an eine bestehende Steckdose anschließt? → Dann ja, das ist erlaubt.
- Geht es um eine Leuchte, die du an der Decke anbringst? → Dann nein, nicht selbst.
- Geht es um eine neue Dusche, die du aufschraubst? → Dann ja, das ist erlaubt - wenn du den Wasserhahn abdrehst.
Wenn du unsicher bist - dann ruf einen Fachmann an. Nicht weil du es nicht kannst. Sondern weil es zu wichtig ist, um es zu riskieren.
Darf ich eine Steckdose selbst einbauen?
Nein. Der Einbau oder Austausch von Steckdosen und Schaltern ist in Deutschland streng verboten. Nur zertifizierte Elektrofachleute dürfen Arbeiten an festen elektrischen Anlagen durchführen. Selbst wenn du es "gut gemacht" hast - du verletzt die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und gefährdest deinen Versicherungsschutz.
Darf ich eine Sicherung im Zählerschrank selbst wechseln?
Ja, aber nur wenn die Sicherung eindeutig gekennzeichnet ist und du sicher bist, welche du wechselst. Du darfst nur durchgebrannte Sicherungen austauschen - nicht die Halterung, nicht die Verkabelung. Wenn du unsicher bist, ruf einen Elektriker. Ein falsch eingebautes Element kann die gesamte Leitung überlasten und zu einem Brand führen.
Was passiert, wenn ich selbst eine Elektroinstallation mache und es zu einem Schaden kommt?
Deine Wohngebäudeversicherung weigert sich in 73 Prozent der Fälle zu zahlen. Das haben Untersuchungen von R+V und Allianz ergeben. Du hast gegen die NAV verstoßen - das ist kein Unfall, das ist eine fahrlässige Handlung. Du bist für den Schaden selbst verantwortlich. Das kann Tausende von Euro kosten - und im schlimmsten Fall dein Zuhause.
Darf ich Kabel in der Wand verlegen?
Nein. Das Verlegen von Stromkabeln in Wänden, Decken oder Böden ist verboten. Die DIN 18015-3 legt strenge Regeln für die Verlegung fest - nur Fachleute dürfen diese einhalten. Selbst wenn du nur ein Leerrohr einbringst, darfst du das Kabel nicht einziehen. Das muss ein Elektriker übernehmen.
Darf ich eine Smart-Home-Steckdose selbst anschließen?
Ja, wenn du sie nur in eine bestehende Steckdose steckst. Aber wenn du einen Smart-Schalter anstelle des alten Lichtschalters einbaust - nein. Das ist eine Veränderung der festen Installation und verlangt einen Elektriker. Die NAV gilt auch für Smart-Home-Geräte: Jeder Eingriff in die Verkabelung ist verboten.
Warum ist Deutschland so streng im Vergleich zu anderen Ländern?
Weil es funktioniert. Die Zahl der tödlichen Stromunfälle sank in Deutschland von 87 (2010) auf 42 (2022). In Ländern mit lockereren Regeln wie Spanien stieg sie. Die strenge Regelung verhindert unsachgemäße Installationen - und damit Unfälle. Die Sicherheit steht über dem Wunsch nach Eigenleistung.
Was passiert, wenn ich eine Sanitärinstallation selbst mache?
Wenn du Abwasserleitungen verlegst, Heizkörper anschließt oder Wasserleitungen in der Wand verlegst, verstößt du gegen die Sanitär- und Heizungsverordnung. Das ist nicht nur verboten - es führt zu schweren Schäden. Eine undichte Leitung kann Wände, Fußböden und sogar das Fundament beschädigen. Die Versicherung zahlt nicht, und du bist haftbar.