Heizkurve optimieren: Praxisleitfaden für mehr Effizienz und geringere Heizkosten
Jan, 24 2026
Was ist eine Heizkurve und warum macht sie einen Unterschied?
Die Heizkurve, auch Heizkennlinie genannt, bestimmt, wie heiß das Wasser in deinen Heizkörpern wird - abhängig von der Außentemperatur. Wenn es kälter wird, steigt die Vorlauftemperatur. Wenn es wärmer ist, sinkt sie. Klingt simpel? Ist es auch. Aber viele Hausbesitzer haben diese Einstellung falsch oder gar nicht angepasst. Und das kostet Geld. In Österreich und Deutschland ist sie heute in über 95 % der neuen Heizungen Standard. Doch nur jeder zweite hat sie richtig eingestellt. Laut dem Schweizer Bundesamt für Energie (BFE) spart eine optimierte Heizkurve bis zu 6 % Energie. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit 2.500 Litern Heizöl pro Jahr bedeutet das: 100 bis 150 Liter weniger - also 50 bis 75 Euro im Jahr. Bei Gas ist es ähnlich.
Die drei Parameter, die wirklich zählen: Neigung, Niveau, Solltemperatur
Es gibt nicht nur eine „richtige“ Einstellung. Es gibt drei Einstellknöpfe, die du verstehen musst:
- Neigung (Steilheit): Wie stark reagiert die Heizung auf Kälte? Ein Wert von 1,2 ist typisch für gut gedämmte Häuser. Ein Wert von 2,0 brauchst du nur, wenn dein Haus alt, kalt und schlecht isoliert ist. Höhere Werte = heißeres Wasser bei Kälte.
- Niveau (Parallelverschiebung): Verschiebt die gesamte Kurve nach oben oder unten. Ein Plus von +2 bedeutet: Alles wird 2 °C wärmer. Ein Minus von -1 senkt die Grundtemperatur. Das ist der wichtigste Knopf für den Alltag.
- Soll-Raumtemperatur: Meist auf 20 °C festgelegt. Das ist der Zielwert, den deine Wohnung erreichen soll. Ändere diesen Wert nur, wenn du die gewünschte Raumtemperatur wirklich ändern willst.
Ein Beispiel: Du hast eine Neigung von 1,5 und ein Niveau von 0. Es ist -5 °C draußen. Dein Heizsystem berechnet jetzt automatisch, welche Vorlauftemperatur nötig ist, um deine Wohnung auf 20 °C zu halten. Wenn du das Niveau auf -2 setzt, sinkt die Vorlauftemperatur um 2 °C - und damit auch die Energiekosten. Aber: Wenn es dann in deinem Schlafzimmer kalt wird, war das zu viel.
Warum du erst den hydraulischen Abgleich machen musst - bevor du die Kurve anpasst
Viele versuchen, die Heizkurve zu optimieren, ohne zu prüfen, ob das Wasser überhaupt gleichmäßig durch alle Heizkörper fließt. Das ist wie ein Auto mit defekten Bremsen zu fahren und dann den Gaspedalweg zu verändern. Es funktioniert nicht richtig.
Ein hydraulischer Abgleich stellt sicher, dass alle Heizkörper die gleiche Menge an warmem Wasser bekommen. Ohne ihn kann die Heizkurve nicht korrekt arbeiten. In 68 % der Fälle, bei denen Hausbesitzer die Kurve selbst einstellen, ist der Grund für hohe Verbräuche nicht die Kurve - sondern ein ungleichmäßiger Fluss. Laut dem Gas- und Wärme-Beratungs-Service (GWBS) ist ein Abgleich Voraussetzung für jede sinnvolle Heizkurvenoptimierung. Wenn du unsicher bist: Frag deinen Installateur. Ein Abgleich kostet 200-400 Euro, ist aber die Voraussetzung für echte Einsparungen.
Wie du die Heizkurve selbst optimierst - Schritt für Schritt
Du brauchst keine Fachausbildung. Aber du brauchst Geduld. Hier ist ein praktischer Plan, der in Salzburg und anderswo funktioniert:
- Starte mit dem Niveau: Senke es um 1 °C. Warte 3-4 Tage. Beobachte die Raumtemperatur in verschiedenen Räumen - besonders in Nordzimmern, oben im Haus, an Außenwänden. Wenn es nicht kälter wird, senke es nochmal um 1 °C. Wenn es zu kalt wird, geh zurück um 0,5 °C. Das ist der wichtigste Schritt.
- Prüfe bei kaltem Wetter: Wenn es unter 0 °C ist, gehe in die Heizungsregelung und schau: Ist die Vorlauftemperatur zu hoch? Wenn du bei -8 °C Außentemperatur eine Vorlauftemperatur von 60 °C siehst, ist deine Neigung wahrscheinlich zu steil. Senke sie um 0,2. Wieder warten. Nicht sofort ändern.
- Prüfe bei mildem Wetter: Bei +10 °C sollte die Vorlauftemperatur nicht über 30 °C liegen. Wenn sie höher ist, ist das Niveau zu hoch. Senke es um 0,5-1 °C.
- Beobachte die Nachtabsenkung: Wenn die Heizung nachts runterfährt, aber die Wohnung nicht kühler wird, ist die Vorlauftemperatur zu hoch. Die Heizung kann nicht abschalten, weil sie immer noch zu viel Wärme liefert. Das ist ein klassischer Fehler.
- Notiere alles: Schreibe auf: Datum, Änderung, Außentemperatur, Raumtemperatur in drei Räumen. So siehst du, was wirklich wirkt.
Die meisten Veränderungen brauchen 3-5 Tage, bis sie spürbar sind. Gebäude sind träge. Du kannst nicht wie bei einem Thermostat sofort reagieren. Wer das vergisst, macht zu viele Änderungen - und landet wieder bei falschen Werten.
Was passiert, wenn du es falsch machst?
Falsch eingestellte Heizkurven sind die unsichtbare Stromfresserin im Keller. Sie verbrauchen Energie, ohne dass du es merkst. Hier sind die häufigsten Fehler:
- Zu hohe Neigung: Bei -10 °C wird das Wasser zu heiß - und die Heizung läuft unnötig lange. Das belastet die Pumpe, erhöht die Rohrverluste und macht die Nachtabsenkung nutzlos.
- Zu hohes Niveau: Selbst bei mildem Wetter bleibt das Wasser zu heiß. Die Heizkörper geben Wärme ab, die du nicht brauchst. Die Raumtemperatur steigt - und du musst lüften. Das ist Energieverschwendung.
- Zu niedriges Niveau: Du frierst. Das ist keine Einsparung. Das ist Unbehagen. Und wenn du dann den Thermostat aufdrehst, wird die Heizkurve komplett überlistet.
Ein Beispiel aus dem Forum von Heizung.de: Ein Nutzer senkte das Niveau um 3 °C. Nach fünf Tagen war es immer noch warm. Warum? Weil er die Neigung zu hoch hatte - das System lieferte trotzdem zu viel Wärme. Er musste erst die Neigung senken, dann das Niveau anpassen. Erst dann sank der Gasverbrauch um 12 %.
Wann lohnt sich ein Profi?
Wenn du unsicher bist, wenn du eine Wärmepumpe hast, oder wenn dein Haus alt und schlecht gedämmt ist - hol dir Hilfe. Eine professionelle Heizkurvenoptimierung kostet zwischen 120 und 350 Euro. Aber: Die Bundesregierung fördert das mit bis zu 30 % der Kosten - maximal 200 Euro. Das heißt: Du zahlst oft nur 80-250 Euro. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) sagt: Bis 2025 wird jeder dritte Haushalt seine Heizkurve professionell optimiert haben. Es ist keine Luxusmaßnahme. Es ist eine Grundlage für effizientes Heizen.
Die Zukunft: Intelligente Heizungen, die selbst lernen
Neue Regler wie der Vaillant uniSTOR VIH R 150 oder die Systeme von Bosch und Siemens nutzen Wettervorhersagen und KI, um die Heizkurve automatisch anzupassen. Sie lernen aus deinem Verhalten, der Außentemperatur und sogar aus der Sonneneinstrahlung. Das ist praktisch. Aber: Selbst die beste KI kann keine schlechte Isolierung kompensieren. Sie kann nur das Beste aus dem machen, was da ist.
Ein wichtiger Hinweis: Bei Wärmepumpen ist die Heizkurve noch wichtiger. Eine Senkung der Vorlauftemperatur um nur 5 °C kann die Jahresarbeitszahl (JAZ) um 0,3 verbessern - das ist fast eine 10 %ige Effizienzsteigerung. Das bedeutet: Weniger Stromverbrauch, mehr Heizleistung. Wer eine Wärmepumpe hat, sollte die Heizkurve nicht ignorieren. Er sollte sie perfekt einstellen.
Heizkurve optimieren - das ist kein Bonus, das ist Pflicht
Du musst nicht dein ganzes Haus sanieren, um Energie zu sparen. Du musst nicht tauschen, nicht dämmen, nicht neu kaufen. Du musst nur die Einstellung in deinem Heizungsregler prüfen. Die Heizkurve ist der einfachste, billigste und effektivste Baustein der Heizungsmodernisierung. Sie kostet nichts - außer ein bisschen Zeit. Und sie bringt dir jedes Jahr 50-150 Euro, ohne dass du dich um etwas anderes kümmern musst. In Zeiten hoher Energiepreise ist das kein kleiner Gewinn. Das ist der Unterschied zwischen zahlen und sparen. Und es ist etwas, das du heute anfangen kannst - nicht nächstes Jahr. Nicht nach der Sanierung. Jetzt.
Wie finde ich die Heizkurve in meinem Heizungsregler?
Die Heizkurve findest du meist unter "Einstellungen", "Witterungsregelung" oder "Heizkennlinie". Auf digitalen Displays ist sie oft als Diagramm mit einer Linie dargestellt - die X-Achse zeigt die Außentemperatur, die Y-Achse die Vorlauftemperatur. Wenn du unsicher bist, schau in die Bedienungsanleitung deines Geräts - oder gib den Modellnamen in eine Suchmaschine ein, gefolgt von "Heizkurve einstellen".
Kann ich die Heizkurve auch bei einer Fußbodenheizung optimieren?
Ja, aber anders. Fußbodenheizungen brauchen viel niedrigere Vorlauftemperaturen - oft zwischen 30 und 40 °C. Die Neigung sollte flacher sein, typisch 0,3-0,8. Das Niveau ist entscheidend: Ein zu hohes Niveau macht den Boden zu heiß und verschwendet Energie. Bei Fußbodenheizungen ist die Heizkurve besonders wichtig, weil sie sonst nicht effizient arbeitet.
Warum sinkt die Raumtemperatur nicht, obwohl ich das Niveau gesenkt habe?
Gebäude speichern Wärme. Es dauert 3-7 Tage, bis sich die Raumtemperatur nach einer Änderung der Heizkurve stabilisiert. Wenn du nach einem Tag schon wieder nachjustierst, machst du es falsch. Warte. Dokumentiere. Beobachte. Und ändere nur, wenn du sicher bist, dass es zu warm bleibt.
Macht es Sinn, die Heizkurve zu optimieren, wenn ich eine alte Heizung habe?
Ja, aber mit Einschränkungen. Bei alten Heizkörpern und schlechter Dämmung kannst du nur begrenzt sparen. Die Heizkurve hilft, aber sie kann nicht die Grundprobleme beheben. Wenn deine Heizung über 20 Jahre alt ist und du trotzdem sparen willst, solltest du die Heizkurve optimieren - aber parallel an Dämmung und Heizkörpern arbeiten. Sie ist ein Teil der Lösung, nicht die ganze.
Wie oft sollte ich die Heizkurve überprüfen?
Mindestens einmal pro Jahr - idealerweise im Herbst, bevor die Heizsaison beginnt. Auch wenn du nichts verändert hast: Die Wetterverhältnisse, deine Heizgewohnheiten und die Gebäudezustände können sich ändern. Ein jährlicher Check kostet keine Zeit und spart Geld.
Trevor Schultz
Januar 24, 2026 AT 14:21Keine Theorie. Einfach mal runterdrehen und beobachten.
Shannon O'Neill
Januar 26, 2026 AT 04:20jörg burkhard
Januar 27, 2026 AT 14:21conrad sherman
Januar 29, 2026 AT 02:40Dagmar Devi Dietz
Januar 29, 2026 AT 12:18Walther van Berkel
Januar 31, 2026 AT 02:48Ingrid Carreño
Januar 31, 2026 AT 09:16Eirin Shu
Februar 2, 2026 AT 00:58jan kar
Februar 2, 2026 AT 16:18Carolyn Braun
Februar 3, 2026 AT 21:14