Renovierungsbudget erstellen: Schritt-für-Schritt Anleitung für Hausbesitzer

Renovierungsbudget erstellen: Schritt-für-Schritt Anleitung für Hausbesitzer Feb, 9 2026

Ein Renovierungsbudget ist nicht einfach eine Zahl, die du auf einen Zettel schreibst. Es ist deine einzige Chance, das Projekt nicht zur finanziellen Belastung werden zu lassen. Jedes Jahr überschreiten mehr als zwei Drittel der Hausbesitzer in Deutschland ihr Renovierungsbudget - oft um tausende Euro. Warum? Weil sie die versteckten Kosten vergessen haben. Du willst nicht dazu gehören. Hier ist, wie du ein realistisches, durchdachtes Budget erstellst - Schritt für Schritt, ohne Überraschungen.

1. Bestandsaufnahme: Was ist wirklich kaputt?

Bevor du irgendetwas kaufst oder anrufst, musst du wissen, was du hast. Ein bloßer Blick in die Küche oder das Bad reicht nicht. Du musst wissen, ob die Dämmung noch hält, ob die Rohre verrostet sind oder ob die Wand hinter dem Fliesenputz feucht ist. Die meisten Überraschungskosten entstehen hier. Laut dem Bundesverband Bauwirtschaft verursachen unentdeckte Schäden wie Schimmel oder Feuchtigkeit durchschnittlich 28 Prozent zusätzliche Kosten. Ein Fachmann - ein Energieberater oder ein Bauingenieur - sollte die Immobilie mindestens einmal gründlich prüfen. Das kostet 300 bis 800 Euro, spart aber im Durchschnitt 4.200 Euro. Denn wer die Wände nicht aufbricht, bevor er die neuen Fliesen legt, zahlt später doppelt.

2. Prioritäten setzen: Was ist nötig, was ist Wunsch?

Nicht alles, was du dir vorstellst, muss jetzt passieren. Teile deine Renovierungsliste in zwei Kategorien: Notwendig und Wünschenswert. Notwendig sind Dinge, die du nicht ignorieren kannst: undichte Dächer, marode Heizungen, defekte Elektroinstallationen, feuchte Kellerwände. Wünschenswert sind Dinge wie ein Smart-Home-System, ein neues Designbad oder ein Teppichboden im Wohnzimmer. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat gezeigt: Hausbesitzer, die diese Trennung klar machen, 82 Prozent ihrer Projekte im Budget halten. Ohne Priorisierung landest du bei 41 Prozent - fast jeder zweite scheitert.

3. Kostenkategorien genau definieren

Ein gutes Budget zerlegt die Kosten in klare Blöcke. Laut der Sparkasse und der KfW-Bankengruppe sind das die fünf wichtigsten Kategorien:

  • Materialkosten: 35-45 Prozent des Gesamtbudgets. Das sind Fliesen, Dämmplatten, Fenster, Rohre, Farbe, Holz - alles, was du kaufst.
  • Arbeitskosten: 25-35 Prozent. Hier zählst du die Handwerker ein: Maler, Elektriker, Sanitär, Dachdecker. Achte darauf: Ein Preis pro Stunde ist nicht genug. Frage nach dem Festpreis für das ganze Gewerk.
  • Genehmigungsgebühren: 2-5 Prozent. Baugenehmigungen, Energieausweise, Abwasseranmeldungen - das kostet Geld. In Salzburg sind das oft 500 bis 1.500 Euro.
  • Transportkosten: 3-7 Prozent. Lkw-Mieten, Abholung von Baumaterial, Entsorgung von Altschutt. Viele vergessen das.
  • Planungskosten: 5-10 Prozent. Dazu gehören Energieberatung, Architektenhonorare, Bauleitung. Diese 1.000 Euro sparen dir später 10.000.

Wenn du diese fünf Blöcke nicht aufschreibst, verlierst du den Überblick. Ein Beispiel: Du willst die Küche sanieren. Du rechnest 15.000 Euro für Küchenmöbel. Aber du hast die Abbruchkosten, die neue Abwasserleitung, die Stromverlegung und die Entsorgung der alten Küchengeräte nicht eingerechnet. Das macht schnell 22.000 Euro aus - und du bist überschritten, bevor du angefangen hast.

4. Puffer einplanen - und zwar richtig

Unvorhergesehenes ist kein Fehler - es ist normal. Jede Renovierung hat Überraschungen. Die Experten von Arena Hero und der KfW empfehlen einen Puffer von 15 bis 20 Prozent des Gesamtbudgets. Das ist nicht Verschwendung - das ist Versicherung. Wer nur 10 Prozent einplant, überschreitet das Budget in 63 Prozent der Fälle. Wer 20 Prozent einplant, bleibt in 78 Prozent der Fälle im Soll. Ein Nutzer auf Bauexpertenforum.de hat mit 20 Prozent Puffer seine Küche für 18.750 Euro statt 19.500 Euro fertiggestellt. Ein anderer hat mit nur 15 Prozent Puffer eine Badsanierung von 42.000 auf 58.000 Euro hochschrauben müssen - weil er die Rohrschäden nicht gesehen hatte.

Fünf Farbblöcke zeigen die Aufteilung eines Renovierungsbudgets mit Prozentsätzen für Material, Arbeit und Nebenkosten.

5. Angebote einholen - aber smart

Nicht nur die billigsten Angebote nehmen. Vergleiche mindestens drei schriftliche Angebote. Achte darauf, dass sie die gleichen Leistungen enthalten. Ein Angebot sagt „Malerarbeiten“ - das ist zu vage. Frag nach: „Welche Farbe? Wie viele Anstriche? Welche Untergrundvorbereitung?“ Ein professionelles Angebot listet alles auf: Material, Arbeitszeit, Abfallentsorgung, Schutzmaßnahmen. Die KfW hat ein neues Online-Tool entwickelt, das auf über 50.000 realen Projekten basiert. Es zeigt dir, was ein Quadratmeter Fliesenverlegung in deiner Region kostet - mit 89,7 Prozent Genauigkeit. Nutze es als Referenz.

6. Digitale Tools nutzen - aber nicht blind vertrauen

Apps wie ClickUp, Trello oder spezielle Renovierungs-Tools helfen dir, Kosten zu tracken, Termine zu planen und Rechnungen zu sammeln. 78 Prozent der Nutzer sagen, dass sie dadurch besser kontrollieren, wo das Geld hingeht. Aber: 22 Prozent kritisieren, dass die Apps die Komplexität unterschätzen. Sie rechnen mit 100 Euro pro Quadratmeter für neue Fenster - aber in Salzburg sind es 180 Euro. Du brauchst die App als Hilfsmittel - nicht als Autorität. Kombiniere sie mit Expertenmeinungen und lokalen Preisen.

7. Förderungen einreichen - bevor du beginnst

Die Bundesregierung zahlt bis zu 25 Prozent der Kosten für energetische Sanierungen - das ist ein neuer Höchstwert ab 2024. Du kannst das Geld für Dämmung, neue Fenster, Heizung oder Solaranlagen bekommen. Aber: Du musst die Förderung vor der Bestellung der Materialien beantragen. BAFA hat 2023 über 1,2 Millionen Anträge bearbeitet - ein Anstieg von 23 Prozent. Wenn du die Energieberatung (300-500 Euro) weglässt, um Geld zu sparen, verlierst du im Schnitt 14,2 Prozent an Einsparpotential. Das ist kein Spar-Tipp - das ist ein Fehler, der dich tausende Euro kostet.

Hausbesitzer vergleicht drei Renovierungsangebote auf einem Tablet, während ein 20%-Puffer und Förderformular sichtbar sind.

8. Eigenleistung: Wann lohnt sie sich?

Du willst selbst streichen, den Boden verlegen, die alte Küche abbauen? Das ist okay - aber realistisch einschätzen. Die Handwerkskammer München sagt: 63 Prozent der Hausbesitzer unterschätzen die Zeit und die Schwierigkeit. Wer eine Wand abbricht, ohne zu wissen, ob es eine tragende Wand ist, riskiert nicht nur die Struktur - sondern auch die Versicherung. Wenn du nicht weißt, wie man eine Rohrverlegung macht, lass es. Die Zeit, die du sparen willst, kostet dich später mehr als ein Handwerker. Aber: Malerarbeiten, Bodenverlegung, Abbruch - das kannst du selbst machen. Rechne die Eigenleistung als Kosteneinsparung ein - aber nur, wenn du es wirklich kannst.

9. Was kostet was? Ein realistischer Überblick

Je nach Umfang unterscheiden sich die Budgets stark. Hier sind die fünf gängigen Kategorien mit realistischen Preisspannen für ein Einfamilienhaus in Österreich:

  • Softe Renovierung (500-5.000 €): Neue Farbe, neue Lichter, kleine Reparaturen. Ideal für Frühjahrsputz.
  • Teilrenovierung (5.000-20.000 €): Ein Raum komplett - meist Bad oder Küche. Mit neuen Fliesen, Armaturen, Einbauküche.
  • Umfassende Renovierung (20.000-50.000 €): Zwei oder drei Räume plus Heizung oder Dach. Typisch für Häuser aus den 80ern.
  • Kernsanierung (50.000-100.000 €): Komplette Sanierung mit Dämmung, Fenstern, Elektrik, Sanitär. Gilt für Häuser aus den 70ern.
  • Luxus-Komplettsanierung (100.000 € und mehr): Hochwertige Materialien, Smart-Home, Barrierefreiheit, Energieautarkie. Typisch für Neubau-Standard in alten Häusern.

Ein Haus aus dem Jahr 1975 in Salzburg, das du kernsanierst, kostet im Durchschnitt 75.000-90.000 Euro - mit Förderung kannst du 20.000-25.000 Euro zurückbekommen.

10. Was passiert, wenn du kein Budget machst?

Ohne Budget zahlt man durchschnittlich 38,50 Euro pro Quadratmeter mehr als geplant. Das ist kein kleiner Betrag. Ein 120 Quadratmeter großes Haus? Das sind fast 5.000 Euro Überschuss. Und das ist nur der Anfang. Du verlierst den Überblick, die Handwerker arbeiten unkoordiniert, du zahlst doppelt für Material, weil du es nicht rechtzeitig bestellt hast. Du gerätst unter Druck, nimmst einen Kredit mit hohen Zinsen, und am Ende bist du erschöpft - und schuldenfrei. Ein gut geplantes Budget ist deine Sicherheit. Es gibt dir Kontrolle. Es schützt dich vor Panik. Es macht aus einer chaotischen Baustelle ein Projekt, das du beherrschst.

Die Zahlen sprechen klar: Wer ein detailliertes Budget erstellt, bleibt im Schnitt 22,7 Prozent unter den geplanten Kosten. Wer kein Budget hat, überschreitet es um 22,7 Prozent. Das ist kein Zufall. Das ist Mathematik. Und du kannst diese Mathematik für dich nutzen.