Schwellenlose Übergänge: Türen, Balkon, Terrasse - Barrierefrei und sicher planen
Jan, 28 2026
Stellen Sie sich vor, Sie rollen mit dem Rollstuhl vom Wohnzimmer auf die Terrasse - ohne an einer Schwelle hängen zu bleiben. Kein Stolpern, kein Anheben, kein Risiko. Das ist kein Traum. Das ist schwellenloser Übergang - und es wird in Deutschland immer normaler. Seit 2023 gilt klar: Nur eine Schwelle mit exakt null Millimetern Höhe ist wirklich barrierefrei. Alles andere ist nur ein Kompromiss - und oft ein Risiko.
Warum null Millimeter die einzige echte Lösung ist
Viele denken, eine kleine Schwelle von einem oder zwei Zentimetern sei noch in Ordnung. Das ist ein Irrtum. Die DIN 18040-2, die deutsche Norm für barrierefreies Bauen, sagt seit 2013 eindeutig: Nur eine niveaugleiche, schwellenlose Ausbildung mit einer Höhe von null Zentimetern ist barrierefrei. Das gilt für alle Außentüren - egal, ob es der Wohnungseingang, die Tür zum Balkon oder die Verbindung zur Terrasse ist. Die alte Ausnahme, die bis 2013 erlaubte, dass Schwellen bis zu 2 cm hoch sein durften, wenn sie „technisch unabdingbar“ seien, wurde abgeschafft. Heute muss der Übergang flach sein - oder er ist nicht barrierefrei. Warum ist das so wichtig? Weil es um Sicherheit geht. Für Menschen mit Gehhilfen, Rollstühlen oder Kinderwagen ist jede Schwelle eine Barriere. Ein kleiner Höhenunterschied von nur 1,5 cm kann schon zum Sturz führen. Und das ist kein seltenes Ereignis. Laut einer Studie der TU Dresden sind 35 % der schwellenlosen Türen, die von nicht spezialisierten Handwerkern eingebaut wurden, nach zwei Jahren undicht oder nicht mehr funktionstüchtig. Das liegt nicht an der Technik - sondern an der falschen Ausführung.Wie funktioniert eine echte schwellenlose Tür?
Eine schwellenlose Tür sieht auf den ersten Blick wie eine normale Tür aus. Aber innen steckt eine komplexe Technik. Der Schlüssel liegt in der Dichtung. Traditionelle Türen nutzen Gummidichtungen, die bei jedem Öffnen und Schließen abgenutzt werden. Schwellenlose Systeme arbeiten mit Magneten. Ein Dauermagnet an der Türunterseite zieht sich beim Schließen an zwei weitere Magnete in der Bodenschiene - und bildet so eine nahtlose, wasserdichte Barriere. Diese Technik wurde vor über 20 Jahren von ALUMAT entwickelt und ist heute der Standard für normgerechte Lösungen. Die Abdichtung funktioniert so: Beim Schließen hebt sich die Tür leicht an, die Magnete verbinden sich, und die Dichtung wird komplett versiegelt. Beim Öffnen sinkt sie wieder ab - ohne Widerstand. Gleichzeitig leitet ein integriertes Profilsystem das Wasser in eine Sammelkammer und dann über Abflüsse in die Drainage. Diese Systeme erreichen eine Schlagregendichtheit der Klasse 9A nach DIN EN 12208 - das ist die höchste Stufe. Traditionelle Türen kommen bei Klasse 4 bis 6 kaum über den Regen hinweg.Entwässerung ist das größte Problem - und die Lösung
Die meisten Probleme mit schwellenlosen Übergängen kommen nicht von der Tür selbst, sondern von der Entwässerung. Wenn das Wasser nicht schnell genug abläuft, sammelt es sich und dringt in die Wohnung ein. Das ist kein theoretisches Risiko - das passiert täglich. Nutzer auf Hausforum.de berichten von Wassereinbrüchen nach zwei Jahren, obwohl die Tür „schwellenlos“ war. Die Lösung? Ein Gefälle von mindestens 2 % - das bedeutet: Für jeden Meter Länge muss der Boden zwei Zentimeter abfallen. Und das Gefälle muss direkt zum Türbereich führen. Dazu braucht man Entwässerungsrinnen, die genau an der Türschwelle installiert werden. Diese Rinnen müssen regelmäßig gereinigt werden. Einmal im Quartal. Sonst verstopfen sie mit Blättern, Schmutz oder Eis. Und das ist der entscheidende Punkt: Eine schwellenlose Tür ist nur so gut wie die Entwässerung darum herum. Deshalb ist die Planung so wichtig. Wer nur die Tür bestellt und glaubt, der Handwerker regelt den Rest, macht einen fatalen Fehler. Es braucht eine Koordination zwischen Türhersteller, Abdichtungsspezialist und Entwässerungstechniker - mindestens vier bis sechs Wochen vor der Einbauzeit.
Was kostet ein schwellenloser Übergang?
Ja, es ist teurer. Keine Frage. Eine schwellenlose Tür kostet zwischen 30 und 40 % mehr als eine normale mit Schwelle. Bei einem Neubau bedeutet das zusätzliche 1.500 bis 2.500 Euro. Das klingt viel. Aber rechnen Sie mit den Folgekosten: Eine undichte Tür, die nach drei Jahren ausgetauscht werden muss? Das kostet mehr als die Investition. Und dann noch die Reparatur des Wasserschadens im Wohnzimmer? Das kann leicht 5.000 Euro verschlingen. Einige Systemanbieter wie ALUMAT oder Schreinerei Kaspari bieten fertige Pakete an - Tür, Dichtung, Entwässerung, Montage. Diese Lösungen sind 15 bis 20 % teurer als Einzelteile, aber sie sparen Zeit, reduzieren Fehler und garantieren Kompatibilität. Die Bayerische Architektenkammer sagt es klar: „Sie sind wirtschaftlich, funktional und nachhaltig.“ Und dann gibt es noch die langfristigen Vorteile. Eine schwellenlose Tür hält 15 bis 20 Jahre. Eine traditionelle Schwelle mit Dichtung hält 25+, aber nur, wenn sie nie benutzt wird. Bei einem schwellenlosen System ist die Nutzung - egal ob mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Krücken - kein Problem. Es ist ein System, das für alle da ist.Wer profitiert wirklich?
Es geht nicht nur um Menschen mit Behinderung. Es geht um alle, die in diesem Haus leben - oder bald leben werden. - Familien mit kleinen Kindern: Keine Stolperfallen mehr. Keine Angst, wenn der Kleine mit dem Spielzeug rennt. - Ältere Menschen: Die meisten Menschen über 65 haben mit Gleichgewicht oder Gehhilfen zu tun. Eine Schwelle ist eine tägliche Herausforderung. Mit schwellenlosem Übergang wird der Balkon wieder ein Ort der Freiheit. - Menschen mit temporären Einschränkungen: Nach einer Operation, mit einem gebrochenen Bein, mit einem Knieverband - jeder braucht einen sicheren, flachen Übergang. Und dann ist da noch der Wert des Hauses. In Deutschland sind 22,3 % der Bevölkerung über 65. Das wird bis 2030 auf fast 28 % steigen. Wer heute barrierefrei baut, baut für die Zukunft. Und der Markt reagiert: Der Anteil schwellenloser Lösungen ist von 7 % im Jahr 2020 auf 12 % im Jahr 2023 gestiegen. Bis 2027 soll er bei 20 % liegen. Die neue DIN 18040, die 2025 kommt, wird das noch verschärfen.
Was Sie bei der Planung nicht vergessen dürfen
1. Planen Sie früh. Mindestens 6 Wochen vor dem Einbau. Alle Gewerke müssen zusammenarbeiten. 2. Wählen Sie einen Spezialisten. Nicht jeder Schreiner kann das. Suchen Sie nach Anbietern, die explizit schwellenlose Systeme anbieten und Referenzen haben. 3. Prüfen Sie die Entwässerung. Die Rinnen müssen direkt an der Tür liegen. Das Gefälle muss 2 % betragen. Und es muss eine Rückstaufreiheit geben - besonders bei Starkregen. 4. Vermeiden Sie Kompromisse. Eine 2-cm-Schwelle ist kein „barrierearmer“ Übergang. Sie ist eine Barriere. Und sie verstößt gegen die Norm. 5. Warten Sie regelmäßig. Alle drei Monate: Magnete prüfen, Entwässerung reinigen, Dichtung kontrollieren. Das dauert 15 Minuten. Es verhindert 90 % der Probleme.Die Zukunft: Intelligent, hybride Lösungen
Die Zukunft der schwellenlosen Übergänge ist nicht nur null Millimeter. Sie ist intelligent. ALUMAT arbeitet an einer neuen Generation mit selbstreinigenden Dichtungen - die sich selbst von Blättern und Schmutz befreien. Andere Entwickler testen Sensoren, die bei Starkregen automatisch die Entwässerung aktivieren. Es gibt auch hybride Lösungen: In Hanglagen oder in Regionen mit extremem Niederschlag kann eine 5-mm-Schwelle sinnvoll sein - aber nur, wenn sie als bewusste, normgerechte Lösung geplant ist, nicht als Kompromiss. Prof. Markus Hengst von der TU München sagt es klar: „Schwellenlose Lösungen sind nicht für alle Situationen geeignet. Aber sie sind die Regel - nicht die Ausnahme.“ Und das ist der entscheidende Punkt: Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Es geht darum, richtig zu sein. Eine schwellenlose Tür ist nicht nur eine technische Innovation. Sie ist eine Haltung. Eine Entscheidung dafür, dass jeder, egal wie er sich bewegt, Zugang hat. Dass das Zuhause für alle da ist - nicht nur für die, die keine Hilfe brauchen.Frequently Asked Questions
Ist eine 2-cm-Schwelle noch erlaubt?
Nein. Laut DIN 18040-2 (2023) ist nur eine schwellenlose Ausbildung mit exakt null Millimetern Höhe als barrierefrei anerkannt. Die frühere Ausnahme für Schwellen bis 2 cm wurde 2013 offiziell aufgehoben. Jede höhere Schwelle gilt als Barrieren, auch wenn sie technisch „abdingbar“ erscheint - und erfordert eine individuelle Begutachtung durch einen Sachverständigen.
Kann ich eine bestehende Tür schwellenlos umbauen?
In den meisten Fällen nein. Eine schwellenlose Tür erfordert eine komplett neue Konstruktion mit spezieller Abdichtung, Entwässerung und Magnetdichtung. Eine bestehende Tür mit Schwelle kann nicht einfach „abgeflacht“ werden. Die Bodenplatte, die Abdichtung und die Drainage müssen neu geplant und eingebaut werden - das ist eine umfassende Sanierung. Es ist oft kostengünstiger, die Tür komplett auszutauschen.
Wie oft muss ich die Magnetdichtung warten?
Alle drei Monate sollten Sie die Dichtung und die Entwässerungsrinnen kontrollieren. Prüfen Sie, ob die Magnete noch fest sitzen, ob die Dichtung rissfrei ist und ob die Rinnen frei von Blättern, Erde oder Eis sind. Eine Reinigung mit Wasser und einem weichen Schwamm reicht aus. Bei Frost sollte das Wasser komplett abgeleitet sein, um Schäden zu vermeiden.
Warum ist die Schlagregendichtheit so wichtig?
Schwellenlose Übergänge liegen direkt im Freien und sind oft ungeschützt. Bei Starkregen (bis zu 90 Liter pro Quadratmeter und Stunde) muss die Tür absolut dicht sein. Traditionelle Türen erreichen nur Klasse 4-6, während moderne Magnet-Doppeldichtungen Klasse 9A erreichen - das ist die höchste Stufe. Ohne diese Dichtigkeit läuft Wasser in die Wohnung - und das kann zu schweren Schäden führen.
Brauche ich einen Sachverständigen für die Planung?
Ja, besonders bei Sanierungen oder komplexen Bauvorhaben. Der Arbeitsausschuss für barrierefreies Bauen im DIN empfiehlt eine Begutachtung durch einen Sachverständigen, um sicherzustellen, dass alle technischen Regeln eingehalten werden. Das ist nicht nur sinnvoll - es ist oft eine Voraussetzung für Fördermittel oder die Genehmigung durch das Bauamt.