Baustoffe mit geringer grauer Energie: Nachhaltig sanieren - So reduzieren Sie CO2 beim Renovieren
Jan, 29 2026
Was ist graue Energie - und warum ist sie beim Sanieren so wichtig?
Wenn Sie Ihr Haus sanieren, denken Sie wahrscheinlich zuerst an neue Fenster, eine bessere Dämmung oder eine moderne Heizung. Doch die größte CO2-Belastung entsteht oft noch vor dem ersten Bohrer: in der Herstellung, im Transport und in der Entsorgung der Baustoffe. Das nennt man graue Energie. Es ist die Energie, die verborgen steckt - in Ziegelsteinen, Dämmplatten, Beton oder Stahl. Und sie wird oft völlig ignoriert, obwohl sie bis zu 40 Prozent der gesamten CO2-Emissionen eines Gebäudes ausmacht. Bei Sanierungen ist das besonders kritisch: Die graue Energie des alten Gebäudes bleibt bestehen, und wenn Sie alles abreißen und neu bauen, verdoppeln Sie die Belastung. Stattdessen: Nutzen Sie, was schon da ist. Und wählen Sie Baustoffe, die wenig Energie brauchten, um hergestellt zu werden.
Warum Holz der beste Baustoff für nachhaltige Sanierungen ist
Holz ist nicht nur schön - es ist klimafreundlich. Während andere Materialien CO2 ausstoßen, bindet Holz während seines Wachstums Kohlenstoff aus der Luft. Ein Kubikmeter Holz speichert rund eine Tonne CO2. Wenn Sie damit eine Wand bauen, wird dieser Kohlenstoff jahrzehntelang im Haus gespeichert. Im Vergleich zu Ziegelsteinen oder Beton ist das ein riesiger Vorteil. Ziegel werden bei über 1.000 Grad gebrannt - das verbraucht enorme Mengen Energie und setzt CO2 frei. Holz dagegen wird nur gesägt, getrocknet und verarbeitet. Die graue Energie von Holzbauteilen liegt oft unter 100 kWh/m³, bei Ziegelwänden sind es mehr als 500 kWh/m³. In Deutschland werden heute schon fast 20 Prozent aller Neubauten aus Holz gebaut. Bei Sanierungen ist es ebenso einfach: Holzfaserdämmung, Holzrahmenwände oder Holzdecken lassen sich nahezu überall einbauen. Und sie regulieren die Luftfeuchtigkeit von selbst - kein Kondenswasser, kein Schimmel. Ein gesundes Raumklima, ohne teure Lüftungsanlagen.
Lehm, Schilf und Hanf - die unsichtbaren Klimahelden
Nicht alles, was nachhaltig ist, sieht modern aus. Lehmputz ist ein 8.000 Jahre alter Baustoff, der heute wieder zum Standard wird. Er atmet, speichert Wärme und bindet Schadstoffe aus der Luft. Seine graue Energie ist extrem niedrig: kaum mehr als 20 kWh/m³. Und er ist regional verfügbar - in vielen Teilen Deutschlands gibt es Lehmvorkommen. Schilf und Hanf sind ebenso starke Alternativen. Beide wachsen schnell, brauchen keine Chemie, und werden zu Dämmplatten verarbeitet. Ein Hanfdämmstoff braucht bis zu 80 Prozent weniger graue Energie als Styropor. Und er ist nicht nur klimafreundlich - er ist auch gesund. Keine chemischen Rückstände, keine Atemreizung. Die Stadtwerke Solingen empfehlen Lehmputz und Hanfdämmung ausdrücklich für Sanierungen. Und sie sind preislich längst konkurrenzfähig: Mit Förderungen wie dem BAFA-Programm „Energieeffizient Sanieren“ liegt der Aufpreis oft nur bei 5 bis 10 Prozent gegenüber konventionellen Materialien. Das lohnt sich - langfristig.
Wiederverwenden statt neu kaufen: Der größte CO2-Spartrick
Die beste graue Energie ist die, die nie entsteht. Deshalb ist der Erhalt bestehender Bauteile der effektivste Weg, CO2 zu sparen. Eine alte Holztür, ein Ziegelstein aus den 1920ern, ein Holzbalken aus dem Dachstuhl - alles kann wiederverwendet werden. Architektin Dr. Susanne Kühr sagt: „Die Wiederverwendung von Bauteilen reduziert die graue Energie um bis zu 90 Prozent im Vergleich zu Neuproduktion.“ Statt eine alte Wand abzubrechen und mit neuen Ziegeln zu ersetzen, können Sie sie sanieren, verputzen oder isolieren. Alte Fenster lassen sich mit Isolierverglasung nachrüsten. Alte Dachziegel können gereinigt und wiederverwendet werden. In den rheinischen Schiefergebirgen wurden ganze Häuser aus alten Schieferplatten wieder aufgebaut - mit weniger Energieaufwand als ein Neubau. Urban Mining - also das systematische Rückgewinnen von Baustoffen aus alten Gebäuden - ist die Zukunft. Und es ist schon heute machbar. In Hildesheim gibt es mittlerweile mehrere Handwerker, die sich auf die Rückgewinnung von Holz, Ziegel und Metall spezialisiert haben. Fragen Sie danach.
Was Sie beim Kauf von Baustoffen wirklich beachten müssen
Nicht jeder „grüne“ Baustoff ist auch wirklich nachhaltig. Ein Holzdämmstoff aus Schweden mag ökologisch sein - aber wenn er mit Lkw über 1.000 Kilometer nach Deutschland transportiert wird, ist die graue Energie durch den Transport wieder hoch. Deshalb: Regional denken. Holz aus der Eifel, Lehm aus der Weserbergland, Hanf aus Niedersachsen. Kurze Wege. Geringe Transportemissionen. Prüfen Sie die Herkunft. Fragt man bei Herstellern nach, bekommen viele eine Ökobilanz oder ein EPD (Environmental Product Declaration) - ein offizielles Dokument, das die graue Energie des Materials genau angibt. Achten Sie auch auf den Verarbeitungsaufwand: Ein Lehmputz, der mit Wasser angerührt wird, ist besser als ein Fertigputz mit Kunststoffzusätzen. Und vermeiden Sie Materialien mit synthetischen Bindemitteln. Sie sind oft schwer zu recyceln und belasten die Luft bei der Verbrennung. Die ENBW hat 2023 einen Leitfaden veröffentlicht, der genau aufzeigt, welche Materialien bei Sanierungen wirklich empfehlenswert sind. Holzfaser, Lehm, Hanf, Schilf, recycelte Mineralfasern - das sind die Top-5.
Warum das GEG noch nicht genug ist - und was kommt
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) regelt, wie viel Energie ein Haus verbraucht - aber nicht, wie viel CO2 bei seiner Herstellung entstanden ist. Das ist ein riesiges Loch. Ein Haus, das mit Holz gebaut ist und nur 10 kWh/m²a verbraucht, kann trotzdem eine viel bessere Ökobilanz haben als ein Ziegelhaus, das nur 12 kWh/m²a verbraucht, aber 10 Mal mehr graue Energie brauchte. Das GEG ignoriert das. Doch das ändert sich. Ab 2024 plant die Bundesregierung verbindliche Grenzwerte für graue Emissionen bei öffentlichen Gebäuden. Die Baubranche bereitet sich darauf vor. Die TU Darmstadt hat 2023 gezeigt, dass mineralische Dämmstoffe aus recyceltem Glas bis zu 80 Prozent weniger graue Energie brauchen als herkömmliche Dämmstoffe. Und die Marktstudie des Bundesverbands Baubranche zeigt: Der Markt für nachhaltige Baustoffe wächst jährlich um 7,3 Prozent. Die Nachfrage steigt. Die Preise sinken. Die Technik verbessert sich. Es ist kein Trend - es ist der neue Standard.
Was Sie jetzt tun können - 5 konkrete Schritte
- Prüfen Sie, was erhalten werden kann. Alte Holzbalken, Ziegel, Türen, Fenster - nicht alles muss weg. Ein Gutachten von einem Sanierungsexperten kostet wenig, spart aber viel CO2.
- Wählen Sie regionale Materialien. Holz aus der Region, Lehm aus dem Nachbarort. Vermeiden Sie Importe, die lange Wege zurücklegen.
- Setzen Sie auf Holzfaserdämmung oder Hanf. Beide sind effektiv, gesund und haben die niedrigste graue Energie.
- Verwenden Sie Lehmputz an Innenwänden. Er reguliert die Luftfeuchtigkeit, bindet Schadstoffe und hat fast keine graue Energie.
- Fordern Sie Förderung an. Das BAFA-Programm „Energieeffizient Sanieren“ zahlt bis zu 30 Prozent der Kosten für nachhaltige Materialien zurück - auch für Lehm und Holzdämmung.
Die Zukunft baut anders - und sie baut mit dem, was schon da ist
Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Es geht darum, besser zu werden. Jeder Quadratmeter, den Sie mit Holz statt mit Ziegel dämmen, spart Kohlenstoff. Jede alte Tür, die Sie wiederverwenden, verhindert eine neue Produktion. Jeder Lehmputz, den Sie auftragen, reduziert die Belastung der Luft. Die Baubranche verändert sich. Die Politik folgt. Und Sie als Hausbesitzer haben die Macht, den Unterschied zu machen. Sie brauchen nicht alles neu. Sie brauchen nur die richtigen Entscheidungen. Und die sind einfacher, als viele denken.
Jimmy Nathan
Januar 30, 2026 AT 07:29Holz als Dämmstoff ist wirklich der Knüller. Ich hab letztes Jahr meine Dachbodenrenovierung mit Holzfaser gemacht und seitdem kein Schimmel mehr. Und die Luft fühlt sich einfach besser an. Kein Vergleich zu altem Styropor.
Matthias Ritzenhoff
Januar 31, 2026 AT 18:38Die graue Energie ist ein Marketingbegriff, der von der Baubranche erfunden wurde, um teure Alternativen zu verkaufen. Beton ist effizient, billig und funktioniert. Alles andere ist ökologischer Schnickschnack.
Claudia van Tunen
Februar 1, 2026 AT 10:06lehmputz ist geil aber teuer in berlin :/
ines schiemann
Februar 2, 2026 AT 07:10Ich finde es wichtig, dass hier klar zwischen grauer Energie und Betriebsenergie unterschieden wird. Viele verwechseln das. Aber der Artikel macht das sehr gut – besonders mit den konkreten Zahlen zu kWh/m³. Das ist fundiert.
Kieran Docker
Februar 2, 2026 AT 11:05✅ Holz = CO2-Speicher
✅ Lehm = Luftreiniger
✅ Hanf = Klimaheld
❌ Beton = Klimakiller
✅ BAFA-Förderung = Pflicht
✅ Regionalität = Non-negotiable
elmar salehov
Februar 2, 2026 AT 22:57Es ist doch absurd, wie hier immer nur von Holzfaserdämmung geredet wird, als wäre das die einzige Lösung. Was ist mit Steinwolle aus recyceltem Glas? Die hat laut TU Darmstadt 80 Prozent weniger graue Energie als herkömmliche Dämmstoffe – und ist feuerfest, schalldämmend und nicht anfällig für Schimmel. Und wo bleibt die Diskussion über die Lebensdauer? Holz verrottet, Steinwolle nicht. Und warum wird nicht erwähnt, dass Hanf in Deutschland kaum industriell angebaut wird und oft aus Osteuropa importiert wird? Dann ist der Transport-CO2 wieder im Spiel. Der Artikel ist gut gemeint, aber oberflächlich. Wer wirklich nachhaltig sanieren will, muss die ganze Ökobilanz betrachten – nicht nur die schönsten Worte.
Andreas adH Schmidt
Februar 3, 2026 AT 17:03Wir Deutschen denken zu viel nach und bauen zu wenig. Wer sich mit Lehmputz beschäftigt, statt mit echten Lösungen, der hat verloren. Wir brauchen mehr Beton, mehr Stahl, mehr Tempo – nicht mehr Diskussionen über alte Ziegel. Die Welt dreht sich nicht um Ihre ökologischen Wohlfühl-Dämmplatten.